Chef der Berliner Volksbühne: Castorf sitzt es aus
Frank Castorf hat seinen Intendanten-Vertrag verlägert. Erst mit 65 geht er in Rente - das ist 2016.
Der Fanclub der Berliner Volksbühne ist am Montag mit einer Vier-Zeilen-Pressemitteilung aus der Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters in große Unruhe versetzt worden. Der gute Teil der Nachricht war, dass Frank Castorf am Rosa-Luxemburg-Platz "mit dem Erreichen des 65. Lebensjahrs" aufhört. Als Schreckensmeldung könnte angehen, dass Castorf erst 2016 seinen 65. feiert und der Volksbühnen-Intendant "seinen 2013 auslaufenden Intendantenvertrag um weitere drei Jahre verlängert hat". Castorf packt also drei Spielzeiten drauf, sehr zur "Freude" des Regierenden Kultursenators Klaus Wowereit, der damit ein Personalproblem - siehe Opernstiftung, DT und Maxim Gorki Theater - weniger hat. Dafür ein künstlerisches mehr.
Unbestritten ist: Frank Castorfs Volksbühne hat zur Entwicklung des modernen Theaters enorm beigetragen. Der Klassikerzertrümmerer, der ungehemmt und politisch unkorrekt auf die Kacke haute, hat mit seinen exzentrischen Szenerien seit dem Mauerfall Theatergeschichte geschrieben.
Weil er sich aber seit Jahren in dieser Geschichte verfängt, steckt die Volksbühne in der Krise. Und zwar ganz tief. Während die einstigen Mitstreiter zwischenzeitlich das Weite suchten - siehe Schlingensief -, liefert Castorf weiter den Klamauk, Happenings und die lauten Unanständigkeiten, als sei nichts gewesen. Castorfs Theaterhardcore ist stagniert, auch wenn aktuelle Einladungen etwa nach Bayreuth 2013 das Gegenteil suggerieren.
Kenner der Szene mahnen seit geraumer Zeit an, dass der Volksbühne mal ein Wechsel an der Spitze ganz gut täte. Doch Klaus Wowereit hört diese Signale nicht und betoniert neben Peymanns Theatermuseum Berliner Ensemble mit Castorfs Volksbühne nun ein weiteres Haus ein. Vorhang!
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