Bahman Nirumand über den Doppelanschlag in Teheran

Iran im Schockzustand

Die Anschläge in der iranischen Hauptstadt Teheran haben das ganze Volk in einen Schockzustand versetzt. Anders als die Nachbarstaaten war Iran in den letzten Jahren von Terroranschlägen verschont geblieben. Mit Stolz bezeichnete die Staatsführung das Land als eine Insel der Sicherheit und Stabilität.

Über die Hintergründe der Anschläge lässt sich nur spekulieren. Zwar hat der Islamische Staat (IS) die Verantwortung übernommen, was der Wahrheit entsprechen könnte. Denn für den sunnitisch-fundamentalistischen IS sind Schiiten Ungläubige, die es zu vernichten gilt. Aber es könnten auch andere gewesen sein – Akteure im In- oder Ausland.

In Innern hat sich die iranische Gesellschaft im Zuge der Präsidentenwahl im vergangenen Monat gespalten. Dem Lager der Gemäßigten und Reformer steht eine Front von mächtigen Konservativen und Hardlinern gegenüber, die entschlossen ist, eine Öffnung zu verhindern. Manche sehen in den Anschlägen den Versuch dieser Front, mithilfe der Justiz, der Ordnungskräfte und der Revolutionsgarden mehr Macht auszuüben und die Regierung zu isolieren. Gerüchte sprechen sogar von einem möglichen Putsch der Revolutionsgarden.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Anschläge mit den jüngsten dramatischen Ereignissen im Zusammenhang stehen: dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien, bei dem der Plan zu Gründung einer „arabischen Nato“ erörtert wurde, und schließlich dem Abbruch der Beziehungen zwischen einigen arabischen Staaten und Katar.

All diese Ereignisse habe direkt mit dem Iran zu tun, der als gefährlicher Feind betrachtet wird. Sagte doch der saudische Außenminister kürzlich: „Wir werden nicht warten, bis sie (die Iraner) den Krieg nach Saudi-Arabien bringen. Unser Bestreben ist, dass der Krieg auf ihr Territorium geführt wird.“ Könnte es sein, dass die Anschläge der Beginn eines drohenden Kriegs sind?

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