Streit der Woche: Schaden die Tafeln den Armen?
Die Tafeln sind ein Erfolgsmodell: Fast jede Woche eröffnet ein neuer Laden, um überflüssige Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. Wissenschaftler: Dadurch wird der Sozialstaat privatisiert.
In fast jeder größeren deutschen Stadt haben Arme eine Anlaufstelle, wo sie etwas zu Essen bekommen: die sogenannten Tafeln. Deren Grundprinzip hört sich erst einmal sehr vernünftig an: Nahrungsmittel landen bei Bedürftigen statt im Mülleimer.
Und ein Erfolgsmodell: Seit ihren Anfängen in den Neunziger Jahren ist die Tafelbewegung – Hand in Hand mit steigender Armut - zu einer der größten Bürgerbewegungen in Deutschland geworden. Über 800 regionale Organisationen gibt es heute.
Aber die Tafeln drohen auch zu Einrichtungen zu werden, die ihr eigenes Ziel, nämlich den Armen zu helfen, torpedieren. Diese Kritik zumindest äußern eine Reihe von Sozialwissenschaftlern: Die Tafeln seien prominentes Beispiel dafür, wie sich der Sozialstaat aus der Verantwortung stiehlt, indem er Sozialleistungen privatisiert.
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Weil aus den ehemals einzelnen Tafeln ein gut organisiertes und schon beinahe flächendeckendes System geworden sei, könnten etwa geringe Hartz-IV-Sätze mit dem Verweis auf diese Einrichtungen legitimiert werden. Mehr als 30.000 Menschen arbeiten ehrenamtlich in dieser Form der Armenspeisung, unterstützt wird sie von großen Konzernen wie Daimler, Aldi, Lidl oder Rewe. Immer geringere staatliche Hilfen würden somit zu einer Selbstverständlichkeit und der Protest mit Naturalien ruhiggestellt, kritisieren Beobachter.
Politiker, Sozialverbände und aktive Bürger dagegen loben die Tafeln als konkrete, unbürokratische Hilfe für die Armen. Und sorgen somit dafür, dass sie akzeptierter Teil dieser Gesellschaft werden. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder unterstützt die Initiative als Schirmherrin, ebenso wie ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen.
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