was tun in hamburg?

Das Einraummuseum im Jüdischen Zentrum „Hesed Arie“ in Lwiw in der Westukraine erinnert an die durch die Schoah vernichtete Kultur der galizischen Juden Foto: Mark Mühlhaus/attenzione photographers

Do, 31. 1., 20 Uhr, Schauspielhaus

Rassistischer Gesamtzusammenhang

Mehr als 600 Mal hat die Berliner „Bühne für Menschenrechte“ um Autor und Regisseur Michael Ruf ihre dokumentarischen Theaterstücke schon gezeigt, in mehr als 150 Städten: die „Asyl-Monologe“, die „Asyl-Dialoge“ und die „NSU-Monologe“. Entwickelt wird derzeit das neueste Stück: die „Mittelmeer-Monologe“. Die „NSU-Monologe“, die am Donnerstag im Schauspielhaus gastieren, erzählen auf der Grundlage von Interviews mit Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat von den Kämpfen dreier Familien der Opfer der Terrorgruppe NSU. Dabei geht es um den rassistisch-gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang der Mordserie, die nur so lange unaufgeklärt bleiben konnte, weil der Rassismus von Polizei, Journalismus und Öffentlichkeit dazu führte, dass die Nazi-Taten lange als ausländertypische Kriminalität wahrgenommen wurden.

Im Anschluss sprechen die Soziologin Ceren Türkmen, die unter anderem an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin zu den Bereichen Arbeitsmigration, Rassismus und Stadtsoziologie forscht, und der Politikwissenschaftler, Kanak-Attak-Mitgründer und ehemalige Die-Beute-Redakteur İmran Ayata über die Hintergründe und Konsequenzen.

Do, 31. 1., 19.30 Uhr, Kölibri

Draußen vor den Türen

Mit 16 Jahren setzte seine Mutter den Hamburger Dominik Bloh abends vor die Tür und hat sie seitdem nicht mehr für ihren Sohn geöffnet. Bloh lebte fortan aus zwei Koffern, schlief auf Parkbänken, in der Schule – in die Bloh weiterhin ging und in der er schließlich auch sein Abitur machte – merkte niemand, dass er von einem auf den anderen Tag obdachlos geworden war. Irgendwann kam er in eine betreute Wohngemeinschaft, aber auch dort musste er mit 18 Jahren wieder ausziehen. Elf Jahre hat es gedauert, bis sein Leben wieder in sichereren Bahnen verlief.

Die große Veränderung kam im Herbst 2015, als er begann, in den Messehallen Geflüchteten zu helfen. Dort wurde auch Bloh geholfen, schließlich bekam er eine Wohnung, heute arbeitet er an einer Schule mit Jugendlichen, die als schwer erziehbar gelten.

Über sein Leben hat Bloh ein Buch geschrieben: „Unter Palmen aus Stahl: Die Geschichte eines Straßenjungen“ ist im Ankerherz-Verlag erschienen (2017, 230 S., 20 Euro), am Donnerstag liest er daraus im Kölibri. Der Eintritt ist frei, es werden Spenden für das Projekt Hinz&Kunzt gesammelt.

Mo, 28. 1., 10 Uhr, Hamburger Schulmuseum

Im Schatten der Aufmerksamkeit

Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka, Maly Trascjanec, Kamjanez-Podilskyj oder Lwiw-Janowska: Anders als das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sind diese Stätten des Mordes an den europäischen Jüdinnen und Juden weniger bekannt, obwohl auch dort Hunderttausende ermordet wurden. Der Fotograf Mark Mühlhaus ist zu ihnen gereist und zeigt seine Fotos in der Wanderausstellung „Im Schatten von Auschwitz“, die ab Montag bis zum 22. März jeweils von 10 bis 16 Uhr im Hamburger Schulmuseum zu sehen ist. Für Schulklassen bietet das Museum ein pädagogisches Begleitprogramm in Form von Projekttagen an. Um möglichst vielen den Besuch der Ausstellung zu ermöglichen, ist der Eintritt ins Museum in dieser Zeit frei. (matt)