Katrin Gänsler über Angela Merkels Westafrikareise

Europa muss sich öffnen

Es ist eine arbeitsreiche Woche für Nigerias Präsident Muhammadu Buhari. Erst am Mittwoch war die britische Premierministerin Theresa May in Lagos und Abuja. Am Freitag trifft er Angela Merkel. Sein senegalesischer Amtskollege Macky Sall empfing dieses Jahr vor der Kanzlerin bereits den chinesischen Präsidenten Xi Jinping sowie Recep Tayyip Erdoğan. Auch Emmanuel Macron war in den vergangenen Monaten sowohl in Ghana als auch in Nigeria zu Gast.

Die Besuche zeigen, dass Westafrika nicht mehr nur als Rohstofflieferant, sondern durch seine stark wachsenden Bevölkerung – der Anstieg liegt in einigen Ländern bei über 3 Prozent jährlich – als Absatzmarkt interessant ist. Das war vergangenen Mittwoch vermutlich ein Grund für den Besuch Theresa Mays, die die Szenarien eines harten Brexits kennt. Als einstige Kolonie haben Großbritannien und Nigeria weiterhin enge Verbindungen.

Deutschland geht es hingegen um die Eindämmung von Migration, auch wenn das nicht offiziell Thema des Besuchsprogramms ist. Seit 2015 sind zwar zahlreiche Programme entstanden, oft unter Federführung der EU. Doch auch wenn längst nicht mehr so viele Migranten in Europa ankommen: Obwohl die Routen schärfer überwacht sind und sich damit die Reisekosten vervielfacht haben, ist das Interesse ungebrochen. Doch der Frust wächst: Die Chancen, auf legalem Weg ein Visum zu bekommen, sind gering.

Neue Abkommen, etwa Solarstrom für 300 senegalesische Dörfer zu schaffen, mögen zwar gut gemeint sein. Tatsächlich werden sie die Situation aber nicht verändern. Das würde nur eines schaffen: den Zugang nach Europa zu öffnen. Möglich würde das durch die Schaffung von Austausch- und Ausbildungsprogrammen, an denen nicht nur eine verschwindend geringe Zahl von Menschen teilnehmen kann. Noch wichtiger ist aber die Möglichkeit, Produkte nach Europa zu exportieren, was heute an den komplizierten EU-Auflagen scheitert.

Es mag paradox klingen, aber: Europa muss sich öffnen, um die Migration aus Westafrika zu verringern.

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