G20 ohne afrikanische JournalistInnen?

Mit eigener Stimme

Afrika ist Hauptthema des G20-Gipfels. Doch darüber können afrikanische Medien kaum berichten. Das ändern wir.

Nigeria: Diese Frauen sollen erfahren können, was der G-20-Gipfel auch über ihr Schicksal beschließt Bild: rtr

von CHRISTIAN JAKOB

Das Thema trifft den Nerv der Zeit: „Der wiederentdeckte Kontinent – Europas Afrikapolitik nach der Flüchtlingskrise“, so heißt der Workshop, zu dem die taz Panter Stiftung im Juni zehn afrikanische JournalistInnen einlädt. Ende März ging die Ausschreibung online, bis zum 9. April bewarben sich über 400 Menschen aus dem ganzen Kontinent – mehr als je zuvor bei einem internationalen Seminar der taz. Aus allen Teilen Afrikas wollten JournalistInnen nach Berlin kommen, selbst aus dem kleinen Inselstaat Sao Tomé und Principe vor der Küste Westafrikas.

Staatsmedien autoritärer Regime wie Äthiopien waren ebenso darunter wie kleine ­Radios aus entlegenen Regionen im Sahel, große Privatsender aus dem Maghreb oder verfolgte Blogger.

Eingeladen haben wir schließlich JournalistInnen unabhängiger Medien aus den Staaten, die heute besonders im Fokus der EU-Diplomatie stehen: Niger und Nigeria, Sudan und Eritrea, Senegal und Mali, Marokko, Libyen, Ägypten und Äthiopien – jene also, aus denen die meisten Flüchtlinge hierherkommen.

EU-Beziehungen zu Diktatoren

Das lange vernachlässigte Afri­ka steht seit der Eskalation auf der Balkanroute 2015 ganz oben auf der politischen Agenda. In Brüssel, Berlin und Paris werden dramatische Szenarien durchgespielt: Klima, Kriege und Bevölkerungswachstum drohen dabei viele Millionen Menschen zu vertreiben – in Richtung Norden.

„Mit Hochdruck baut die EU ihre Beziehungen zu den Staaten Afrikas aus – auch zu Diktaturen“

Mit Hochdruck baut die EU ihre Beziehungen zu den Staaten Afrikas aus – auch zu Diktaturen. Sie sollen ihre Bürger daran hindern, nach Europa zu gelangen.

Deutschland ist dabei der wohl wichtigste Akteur. Kanzlerin Merkel reiste 2016 nach Afrika, Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) präsentierte einen „Marshallplan mit Afri­ka“, Bundeswehr und -polizei sind heute in Afrika im Einsatz. Eines der Ziele: Migrationskon­trolle.

Genau dies ist auch einer der wichtigsten Schwerpunkte der laufenden deutschen G20-­Präsidentschaft. Gleich mehrere große Konferenzen stehen im Juli an, auf denen Afrika im Mittelpunkt sein wird.

Nicht mal Zaungast

Was hier passiert, geht auch die Menschen in Afrika an. Die taz recherchiert seit Monaten schwerpunktmäßig zu diesem Thema, afrikanische Medien aber sind bei den großen Konferenzen nicht mal Zaungast – die wenigsten können sich KorrespondentInnen in Europa leisten.

Die Regierungen der afrikanischer EU-Partnerstaaten aber handeln oft intransparent. So bleibt meist nur, Berichte westlicher Nachrichtenagenturen zu übernehmen.

Eine Woche werden die JournalistInnen in Berlin VertreterInnen von NGOs und Ministerien, ForscherInnen und AktivistInnen treffen, über die G20-Agenda diskutieren und recherchieren.

Denn wir finden: Wenn in Deutschland über Afri­ka verhandelt wird, müssen afrikanische KollegInnen darüber berichten können. Während der G20-Gipfel-Phase im Sommer erscheinen vier Sonderseiten mit den Texten der WorkshopteilnehmerInnen.