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Hallo, Nachbarn.

Wie gelingt Leben mit Einwanderung? Was braucht es dafür? Gemeinsame Werte, gesellschaftliches Engagement, oder konkrete politische Entscheidungen?

Peter Cachola Schmal, Architekt und Kurator des Deutschen Pavillons auf der Architekturausstellung in Venedig. Bild: Anja Weber

Es sieht aus wie eine alltägliche Straßenszene: Auf unserer zeozwei-Titelseite sehen Sie den Architekten Peter Cachola Schmal an einer Straßenecke nicht weit von seinem Büro in Frankfurt am Main. Schmal hat den deutschen Beitrag bei der Architektur-Biennale in Venedig konzipiert und ihn mit dem einleitenden Satz versehen: „Wir berichten aus Deutschland als einem Land, das ein Einwanderungsland geworden ist, aber nicht dazu stehen kann.“

Die zeozwei berichtet in dieser Ausgabe, wie Leben mit Einwanderung vorankommt, wenn man dazu steht. Gut eine Million Menschen sind im letzten Jahr nach Deutschland gekommen. Dieses Jahr geht es ums Bleiben, zumindest für eine Zeit. Um den Umzug aus Turnhallen in Wohnungen, die nicht am Rande der Gesellschaft liegen, nicht in Vorstadt-Ghettos und trostlosen Dörfern, sondern in einer neuen Nachbarschaft. Das gelingt nicht mit einer abstrakten „Werte“-Diskussion, sondern nur durch gesellschaftliches Engagement verknüpft mit politischen und in der Folge städtebaulichen Entscheidungen.

Es braucht „Ankunftsorte“, sagt der Soziologe Claus Leggewie, in denen Einwanderer die Chance haben, sich so zu entwickeln, dass sie nach drei Jahren weiterziehen – nach oben, Richtung Mittelklasse. Ihren räumlichen Platz nehmen dann neue Einwanderer ein. Mitten in Deutschland, in Fulda oder auch in Tangermünde.

Das geht – mithilfe der Architektur und ohne den einfallslosen sozialen Wohnungsbau. Man nennt das Verdichtung. „Draufbauen, umbauen, dazwischen bauen“, sagt Leggewie. Dann machten die Ankommenden Läden oder Gaststätten auf, „nicht nur die Dönerbude“. Anders gesagt: Ein Wirtschaftsraum für eigenständiges Leben entsteht. Und die ganze blockierte Situation in der EU? „Wenn Deutschland ein Einwanderungsland ist“, sagt Peter Cachola Schmal, „wird Europa automatisch ein Einwanderungskontinent sein.“