Studie zur Wohnsituation von Studierenden

Nicht heimisch im Heim

Studierende in Bremen wenden 50 Prozent ihres Budgets für Miete auf – bevorzugt für ihre eigene kleine Bude. Ins günstigere Wohnheim wollen sie lieber nicht.

Alte Fliesen, auf denen Sonnenblumen-Sticker aufgeklebt sind.

Schön individuell: die erste eigene Wohnung Foto: Benjamin Eichler

BREMEN taz | Zum Beginn eines neuen Semesters läuft der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt erfahrungsgemäß noch einmal richtig heiß: Alle suchen auf einmal dasselbe. Klein, nicht zu teuer, zentrale Lage. Die jüngsten Daten einer Studie des Instituts für Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen zeigen: Im Schnitt 50 Prozent ihres Einkommens geben Studierende in Bremen nur für die Miete aus.

Bei einem Blick auf die Zahlen der Studie wird jedoch auch klar: Die Studierenden wohnen bevorzugt in den Stadtteilen Neustadt, Östliche Vorstadt, Schwachhausen und Horn-Lehe. Und die sind nicht gerade für günstige Mieten bekannt.

„Eigentlich müsste man erwarten, dass die Studierenden bei dem unglaublichen Druck, der auf dem Wohnungsmarkt herrscht, ihre Prioritäten anpassen“, sagt Günter Warsewa, Direktor des Instituts. „Das aber stellen wir anhand der Zahlen nicht fest.“ Studierende legen Wert auf urbanes Leben – und essen dafür offenbar lieber zwei Wochen lang nur Toastbrot als in die Vahr zu ziehen, die allerdings als „Ausweichquartier“ eine immerhin „leichte Zunahme an Studierenden erfährt.“

Auch die Wohnheime kommen als günstige Wohnmöglichkeit für viele nicht in Betracht. Lediglich eine bestimmte Gruppe wohnt dort gerne, nämlich die ganz frisch Zugezogenen und ausländische Studierende. „Die haben eben nicht ihren Lieblingssessel dabei und sind froh, wenn sie in eine ordentlich ausgestattete und funktionale Wohnung ziehen können“, sagt Warsewa. „Diese Gruppe ist aber nicht besonders groß.“

Christina Selzer, Sprecherin des Wissenschaftsressorts

„Wenn man sich sein Zimmer individuell einrichten kann, macht das schon sehr viel aus“

Dass individuelles Wohnen längst nicht mehr allen möglich ist, zeigt auch eine weitere, in Warsewas Augen „viel gravierendere“ Zahl: Die Quote derjenigen, die entweder bei ihren Eltern wohnen bleiben oder zu Verwandten ziehen, hat deutlich zugenommen und liegt in Bremen bei über 27 Prozent.

Dass das keine reine Bequemlichkeit, sondern eine Folge des angespannten Wohnungsmarktes ist, zeigen die Befragungen der Studierenden durch das IAW. Aber selbst diejenigen, die noch bei ihren Eltern wohnen und lieber heute als morgen ausziehen würden, wünschen sich laut der Befragung mehrheitlich eine eigene Wohnung – und keinen Wohnheimplatz. Die Schaffung weiterer Wohnheime als Antwort auf den angespannten Wohnungsmarkt, so heißt es in der Studie, habe daher eher „den Charakter einer Notlösung“.

Gebraucht würde eher, so Warsewa, eine Wohnheimform, „die nicht voll möbliert nach dem Muster ‚quadratisch, praktisch, gut‘ gestaltet ist, sondern die man sich selbst individuell einrichten kann“ – und die auch die unterschiedlichen Bedürfnisse etwa von Paaren oder WGs berücksichtigt.

Das stößt im Wissenschaftsressort, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, auf offene Ohren: „Wohnheime sind für viele Studierende oft nicht erste Wahl. Daher haben wir schon Ideen im Ressort, wie wir diese Angebote attraktiver machen können“, sagt Sprecherin Christina Selzer. Man könne sich etwa vorstellen, die Wohnungen gemütlicher einzurichten, indem die BewohnerInnen eigene Möbel mitbringen. „Wenn man sich sein Zimmer individuell einrichten kann, macht das schon sehr viel aus“, sagt Selzer.

Eine andere Idee sei es, kleinere Einheiten zu bauen und langfristig wegzukommen von der alten Form des Wohnheims. Konkret werde dies gerade in Bremerhaven im Stadtteil Lehe ausprobiert. Und auch für andere Wohnheime, die das Ressort plane, „werden diese Überlegungen auf jeden Fall mit einfließen“.

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