Ausstieg oder Weiterbau sind nicht die einzigen Optionen. Ein Nahverkehrsspezialist bringt eine dezentrale Bahnhofsvariante ins Spiel.von Nadine Michel

Der Stuttgarter Hauptbahnhof, mal von oben. Bild: dpa
STUTTGART taz | Immer wenn er denken muss, fährt Gerhard Schnaitmann Zug. Zum Beispiel, wenn er Alternativen zu etwas sucht. So war es auch, als er Ende vergangenen Jahres mitbekam, wie die Deutsche Bahn die Kostenexplosion bei Stuttgart 21 eingestehen musste. Unterwegs entwickelte Schnaitmann seine eigene Lösung für das Bahnhofsprojekt: „SO 21“ nennt er sie, die Stuttgart-Ost-Variante.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Ob die irgendeine Chance hat, wird sich wohl am Dienstag zeigen. Denn dann tagt der Aufsichtsrat der Bahn. Aller Voraussicht nach wird er grünes Licht für den Weiterbau geben. In einem Papier des Bahn-Vorstands an den Aufsichtsrat heißt es nach Medienberichten, es gebe nur die Wahl zwischen Fortführung und Ausstieg. Weitere Vorschläge wie die Kombilösung von Heiner Geißler, der einen Teil der Schienen unter die Erde legen, einen anderen oben belassen wollte, nähmen zu viel Zeit in Anspruch. Stiege man aus S 21 aus, so das Mantra der Projektbefürworter, hätte man über Jahre nichts.
Stimmt nicht, behauptet Schnaitmann, der bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg arbeitet, den Entwurf aber als Privatmann vorgelegt hat. Er ist überzeugt, dass seine Ideen relativ schnell und relativ kostengünstig umsetzbar wären: Statt den Kopfbahnhof umzubauen, solle man lieber einen zweiten Fernbahnhof in Stuttgart anlegen, schlägt er vor. In Untertürkheim gibt es einen ehemaligen Güterbahnhof. Dort könnten alle durchgehenden Fernzüge halten. Alle Regionalzüge sowie alle Fernzüge, die in Stuttgart starten oder enden, würden weiterhin im Kopfbahnhof halten.
Von Untertürkheim wiederum ließe sich die mit S 21 zusammen geplante Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm über einen Tunnel anschließen. Dieser wäre 15 Kilometer lang und relativ eben. Bei S 21 müssten ungefähr 60 Kilometer Tunnel durch wechselnde geologische Formationen gebohrt werden. Über eine kleine Abzweigung vom Tunnel würde Schnaitmann den Flughafen mit der S-Bahn-Linie an dem Fernverkehr anschließen.
Die wesentlich kürzere, eben verlaufende Tunnelstrecke hätte nicht nur weniger geologische Risiken, sie wäre auch deutlich billiger. Eine Zahl aber will Schnaitmann nicht nennen. „Ich bin kein Ingenieur“, sagt er.
So ausgefeilt das Konzept auch ist – eine konkrete Planung gäbe es natürlich im Falle eines S-21-Ausstiegs auch hier nicht. Allerdings knüpft SO 21 stark an die bestehende Infrastruktur an, was die Planungen beschleunigen würde. „Der neue Bahnhof wäre komplett auf bestehendem Bahngelände. Sie haben dort wesentlich einfachere Genehmigungsverfahren“, sagt Schnaitmann. Zudem könnten alle Bauabschnitte einzeln in Betrieb genommen werden. Und: Selbst S 21 ist ja zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal in allen Abschnitten planfestgestellt.
Andere Bahnexperten wie Karl-Dieter Bodack, die wie Schnaitmann S-21-Gegner sind, haben SO 21 bereits die verkehrliche Tauglichkeit und zeitliche wie finanzielle Vorteile bestätigt. Auch dem Landesverkehrsministerium liegt der Entwurf vor. Doch die Landesregierung äußert sich derzeit generell nicht zu Alternativüberlegungen. „Wir führen keine Ausstiegsdebatte“, lautet das Credo.
Schnaitmann selbst nennt aber Schwachpunkte seines Konzepts, die eher emotionaler Natur sein dürften. So etwa der Aspekt, dass der Fernbahnhof nicht im Stadtzentrum liegen würde. „Da würde der eine oder andere bruddeln.“ Zudem, so sagt er, sei sein Konzept eben sehr schlicht. „Und schlichte Konzepte begeistern Politiker selten.“
Die mächtigste deutsche Öko-Supermarktkette denn's expandiert rasant – auch auf Kosten von Mitarbeitern. Die klagen über Arbeitszeiten und Dumpinglöhne. von Jost Maurin

„Stuttgart 21“ ist eines der teuersten Bahnprojekte aller Zeiten in Deutschland: Der Kopfbahnhof der Stadt soll durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof samt Zu- und Abfahrtsgleisen und Flughafenanbindung ersetzt werden. Wo jetzt noch Schienen liegen, sollen künftig Wohn- und Gewerbebauten entstehen.
Der neue Bahnhof sollte ursprünglich Ende 2017 fertig sein, intern rechnet die Bahn laut Medienberichten nun mit 2022. Ein breites Bündnis von Bürgern protestiert allerdings gegen den Umbau. Ihre Argumente: Der Tiefbahnhof sei betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und viel zu teuer. Sie haben mit dem Projekt „Kopfbahnhof 21“ ihre eigenen Pläne.
Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare
05.03.2013 09:15 | Peter Meisel
Die Alternativen zu S21 waren immer im Gespräch: Erhaltung des wesentlich leistungsfähigeren Kopfbahnhofs, OBEN BLEIBEN und ...
04.03.2013 17:21 | Reinhard
Diese Idee ist in ihrer Grundstruktur (Durchgangsbahnhof Bad Cannstatt, Anschluss an eine überflüssige Neubautrasse) identi ...
04.03.2013 13:48 | deGrabb
Ich finde die Grundidee von SO 21 richtig. Das denke ich auch immer, wenn ich die Situation sehe. Warum sollten die durchfa ...