Ostermärsche in Berlin und Brandenburg

Mit „Bella Ciao“ gegen Waffen

Tausende gingen am Samstag in Berlin für Frieden auf die Straße. Demos gab es Sonntag auch in Frankfurt (Oder) und Ostermontag in Cottbus.

Zwei Demonstranten beim Berliner Ostermarsch tragen Plakate mit einer Friedenstaube

Tradition ohne Nachwuchs? Die jungen Leute fehlten beim Ostermarsch, beklagen AktivistInnen Foto: Christian Mang

BERLIN taz | Aus den Lautsprechern vor dem Eingang der Volksbühne klingt ein Remix von „Bella Ciao“. Um das Räuberrad, die radförmige Statue auf dem Rosa-Luxemburg-Platz, stehen etwa tausend Menschen. Sie tragen Friedensflaggen und Plakate, auf denen „70 Jahre Nato sind genug“ oder „Ami Go Home“ steht. Am Samstagmittag haben sich hier die Teilnehmer*innen des traditionellen Ostermarschs versammelt.

Seit fast 60 Jahren treffen sich Aktivist*innen an den Osterfeiertagen, um gegen Aufrüstung, Nuklearwaffen, amerikanische Militärbasen oder die Nato zu demonstrieren. Seit den 1980ern organisiert die Berliner Friedenskoordination (Friko) die Aktion in der Hauptstadt. Das Motto in diesem Jahr: „Abrüsten statt Aufrüsten“.

Die Demonstration zog entlang der Rosa-Luxemburg-Straße, der Münzstraße, dem Rosenthaler Platz und der Torstraße. Ohne Zwischenfälle endete sie 15 Uhr wieder vor der Volksbühne, dort fand die Abschlusskundgebung statt. Neben politischem Musikprogramm traten Sprecher*innen der Friko auf, unter anderem Michael Müller, ehemaliger Staatssekretär (SPD) im Bundesumweltministerium und heute Vorsitzender des Umweltverbands Naturfreunde Deutschland, der Liedermacher, Journalist und frühere SED-Funktionär Hartmut König sowie die Schauspielerin Jutta Kausch-Henken.

Müller, der zum Einstieg sprach, beklagte, dass die Menschheit einen „doppelten Selbstmord“ begehe: einen langsamen, der menschengemachte Klimawandel, und einen schnellen durch atomare Wiederbewaffnung und Militarisierung. Er und seine Mitstreiter*innen kritisierten unter anderem die gestiegenen Rüstungsausgaben und die Aufkündigung des INF-Vertrags durch die USA. Der Vertrag verbot Flugtests, Produktion und Besitz von nuklearen Mittelstreckenraketen.

Rund 130 Menschen haben sich am Sonntag am Ostermarsch in Frankfurt (Oder) beteiligt. Motto der diesjährigen Veranstaltung war "Abrüsten statt Aufrüsten! Ja zum Frieden – Nein zum Krieg!". Aufgerufen hatte das Friedensnetz der Stadt. Auftakt war an der Friedensstele am Sowjetischen Ehrenmal. Die Redebeiträge seien angesichts von Teilnehmern aus der Partnerstadt Slubice auch ins Polnische übersetzt worden, sagte einer der Organisatoren. Anschließend zogen die Demonstranten durch die Innenstadt zur Friedensglocke, die dann geläutet wurde.

Cottbus: Am Ostermontag wurde in Cottbus demonstriert. Die Friedenskoordination Cottbus rechnete mit etwa 300 Teilnehmern. In Potsdam hatte der 18. Ostermarsch bereits am 13. April stattgefunden. (dpa)

Sorge wegen der „Querfront“

Mehrfach erklärten die Spre­cher*innen, dass Friedens- und Umweltaktivismus zusammen­gehöre. In diesem Zusammenhang fiel auch das Stichwort „Fridays for Future“: Die Ak­ti­vist*innen begrüßten die neue Jugendbewegung, erhofften sich von ihr aber auch stärkeres friedenspolitisches Engagement. „Ich vermisse die jungen Leute hier“, sagte die Demoteilnehmerin und Aktivistin Irmela Mensah-Schramm – sie ist bekannt dafür, rechte Graffiti und Sticker an öffentlichen Plätzen zu entfernen. Mensah-Schramm sagte, sie habe eine Mitarbeiterin des rechten Magazins Compact auf der Kundgebung gesehen, und kritisierte das.

Die Sorge, von der sogenannten Querfront unterlaufen zu werden, also von Menschen, die mit vermeintlich linken Ideen rechtes Gedankengut streuen, teilen auch die Or­ga­ni­sa­tor*innen der Ostermärsche. Im Jahr 2014 wurde die Kritik an der Bewegung laut, dass es Zusammenarbeit mit den Machern der Berliner „Montagsmahnwachen“ gegeben habe, da diese einen Demonstrationsaufruf der Friko unterzeichnet hatten.

Eine Zusammenarbeit habe es aber nie gegeben. „Es gibt keine friedensbewegte Rechte“, sagte Barbara Majd Amin von der Friko und der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Vorfeld zur taz. Die Friko grenze sich gegen jede Form des Rassismus, Antisemitismus und der Rechten ab.

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