Kommentar Verfolgte Christin in Pakistan

Markus Söder, übernehmen Sie!

Im Fall der in Pakistan verfolgten Christin Asia Bibi könnte Bayerns Ministerpräsident zeigen, dass er mehr kann als Kruzifixe aufhängen. Asyl sofort!

Islamisten in Pakistan verbrennen ein Bild von Asia Bibi

Trotz Freispruch keine Freiheit: Islamisten bedrohen die pakistanische Christin Asia Bibi Foto: ap

Aus dem fernen Morgenland, genauer gesagt aus dem mehrheitlich muslimischen Pakistan, bietet sich für Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder eine große Chance, die ihm zu wahrer Größe verhelfen könnte. Denn nun endlich kann der fränkische Protestant zeigen, dass er es nicht nur versteht, öffentlichkeitswirksam christliche Kreuze in Bayerns Amtsstuben aufzuhängen. Sondern dass er das Christentum samt dazugehöriger Nächstenliebe wie selbstverständlich pflegt und lebt. Und dafür eignet sich nichts so gut wie der Fall der verfolgten pakistanischen Christin Asia Bibi.

Sie war in ihrer Heimat in einem fragwürdigen Verfahren 2010 wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Pakistans Oberster Gerichtshof hob das Urteil vergangene Woche auf und sprach die 51-jährige Mutter von fünf Kindern trotz der zu erwartenden Todesdrohungen von Islamisten frei.

Den Mut der Richter teilte leider nicht die neue Regierung des früheren Cricketstars Imran Khan. Die knickte schon nach drei Tagen islamistischer Proteste ein und erklärte plötzlich eine Revision für zulässig und sprach ein Ausreiseverbot für Asia Bibi aus. Jetzt könnte Söders Stunde schlagen. Er könnte Asia Bibi, ihrer Familie und ihrem ebenfalls bedrohten Anwalt Asyl in Bayern anbieten.

Schwestern und Brüder, auf zur Sonne, auf nach Bayern: Diesen Artikel lest Ihr/lesen Sie im Rahmen des weißblauen Sonderprojektes der taz zum 100. Geburtstag des Freistaats Bayern. Unter der zünftigen Federführung des Obermünchners Andreas Rüttenauer haben sich nur die besten bayerischen Kräfte der taz an die Recherche gemacht: alle Texte. Ein Prosit auf Sie und auf uns!

Söder würde damit auch demonstrieren, dass er im Unterschied zur pakistanischen Regierung dem Recht wirksam Geltung verschafft. Denn während dort die Regierung von einem islamistischen Mob das Recht beugen lässt, könnte Söder zeigen, dass er – wie es sich für den Rechtsstaat in Bayern gehört – dem Asylrecht volle Geltung verschafft und sich auch von potentiellen hiesigen braunen Mobs nicht einschüchtern lässt. Das wäre sogar recht ungefährlich, denn eigentlich dürfte auch die AfD am Asyl für eine Christin nichts auszusetzen haben.

Zugleich könnte Söder auch zeigen, wie gut in Bayern die Verwaltung samt der lokalen Dependencen des BAMF funktionieren. Während in anderen Fällen oft monate-, nicht selten sogar jahrelang auf einen Asylentscheid gewartet werden muss, bietet sich jetzt die Chance mit einem schnellen positiven Bescheid für Asia Bibi zu zeigen, wie toll Bayern funktioniert. Söder muss sich nur trauen!

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Studierte Politologie und Communication for Development in Berlin und Malmö. Ist Asienredakteur der taz seit 1997, vorher freier Journalist, Korrespondent in Hongkong und Vertretung in der Meinungsredaktion. Versucht asiatisch-europäische Begegnungen zu ermöglichen auch durch taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops der Panter Stiftung und Diskussionsverantaltungen im taz-Café.

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