Kommentar Abkommen über Idlib

Ein Tyrann hilft dem anderen

Russland und Syrien brannten darauf, die Rebellenstadt Idlib zurückzuerobern. Nun verhalf die Türkei Moskau dazu, das Gesicht zu wahren.

Präsident Recep Erdoğan steht sehr nah neben Kremlchef Wladimir Putin

Präsident Recep Erdoğan und Kremlchef Wladimir Putin am Montag beim Treffen in Sotschi Foto: reuters

Der Sturm auf Idlib, die letzte Rebellenhochburg in Syrien, ist erst einmal verhindert, zumindest aufgeschoben worden. Das gab Moskaus Verteidigungsminister Sergei Schoigu noch am Rande des Treffens zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Erdoğan und Kremlchef Wladimir Putin in Sotschi zu Protokoll. Bleibt es dabei? Nicht zuletzt hängt das von Baschar Assad ab und ob Moskau ihn zügeln will oder kann.

Eigentlich brannten beide, Damaskus und Moskau, auf die Entscheidungsschlacht. Nun sieht es gar so aus, als sei Erdoğan als Sieger aus dem Ringen hervorgegangen.

Moskau hat das Für und Wider einer nicht militärischen Initiative anscheinend noch einmal durchdekliniert und ist zu einem ungewöhnlichen Ergebnis gekommen. Langfristig möchte der Kreml das Nato-Mitglied Türkei dem Bündnis entfremden und Ankaras Beziehungen zum Westen weiter eintrüben. Mit der Türkei und China als engeren Partnern stünde der Kreml international nicht mehr so isoliert da.

Hätte Moskau stattdessen mit dem Bombardement Idlib wie Aleppo vom Erdboden getilgt, wären dies nicht nur schreckliche Bilder gewesen. Anhaltende Flüchtlingsströme in die Türkei würden belegen, wie Russlands Friedensaufbau tatsächlich aussieht. Es wäre ein Widerspruch zur russischen Propaganda gewesen, die unermüdlich vorgibt, bald könnten alle Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Keine Offensive in Idlib heißt: auch keine weiteren Verluste für russische Militärs. Zinksärge hätten der Zustimmung für Putin keinen neuen Auftrieb verliehen. Außerdem versucht Moskau seit Längerem, im Westen Gelder für den Wiederaufbau Syriens zu erhalten. Selbst hat der Kreml nichts mehr und wäre auch nicht bereit, viel zu geben. Idlibs Ruinenhaufen wären kein Anreiz für großzügige Unterstützung. Ohnehin ist umstritten, ob einer zerstörenden Macht Aufbauhilfe zusteht.

Kurzum, der Tyrann aus Ankara verhalf dem aus Moskau dazu, das Gesicht zu wahren.

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Seit Anfang 2011 währt der Konflikt zwischen Assad und Oppositionellen in Syrien. Mit dem Auftauchen der IS-Milizen begann ein Krieg in der ganzen Region.

Jahrgang 1956, Osteuroparedakteur taz, Korrespondent Moskau und GUS 1990, Studium FU Berlin und Essex/GB Politik, Philosophie, Politische Psychologie.

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