Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Neonfarbene Stringtangas in der CDU-Sauna, vermeintlich sichere Brexit-Wetten, Selbstzünder beim Diesel – und natürlich: Kramp statt Trump.

Friedrich Merz

Hat bereits den lästigen Nimbus vom glänzenden Rhetoriker abgelegt: Friedrich Merz Foto: dpa

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

Friedrich Küppersbusch: Der Plan war, mal über etwas anderes als die AfD zu reden.

Und was wird besser in dieser?

„Kramp statt Trump“, die CDU kann’s noch retten.

Friedrich Merz stellt das Grundrecht auf Asyl infrage, um gleich darauf wieder zurückzurudern. Ist das Strategie oder weiß der Mann einfach nicht, was er will?

Merz schämerliche Selbstauskunft in Vermögensfragen glich bereits einem Saunabesuch im neonfarbenen Stringtanga. Zusammen mit der Nebelgranate zum Asylrecht gelingt es ihm schon zur Halbzeit, den lästigen Nimbus vom glänzenden Rhetoriker abzustreifen. Seinen Wurmsatz kann man wohlwollend interpretieren als Black-Friday-Angebot, das Asylrecht gegen eine neue europäische Vereinbarung einzutauschen. Dann nahm er’s zurück und übrig blieb, er sei „schon seit langer Zeit der Meinung, dass wir bereit sein müssen, offen zu reden“ – ohne etwas zu ändern. Da hört man bei der AfD die Korken teutschen Schaumweins knallen, und einer knallt gleich mit: Kollege Spahn, und zwar durch. Das Problem sei, „dass das Asylrecht zu oft ausgenutzt werde, was wiederum zu ungesteuerter Migration führe“. Laut BamF liegen die Bewerberzahlen derzeit etwa beim Stand von 1995 – just nach der Schleifung des Art. 16 GG. Und die Anerkennungsquote bei nachgerade tiefenentspahnten 1,3 %. Im Verlauf der so verzierten Woche sprang die AfD bei der „Forschungsgrupe Wahlen“ um 2 auf 16 %.

Theresa May und die EU haben einen Brexit-Deal ausgehandelt. Die Brexiteers finden ihn katastrophal. Zwar wird nicht mehr um Gibraltar gestritten, doch so langsam hätten wir genug Stoff für eine Polit-Soap, die die „Lindenstraße“ beerben könnte, oder?

Mutter Beimer, Angela Merkel, RTL-Chefin Schäferkordt – auf keinen Abschied hätte man so siegessicher gewettet wie auf den Mays. Ihr Deal wird als „Sprung in die Dunkelheit“ und „jede Menge Einhörner“ gedisst in Großbritannien. Nordirland – schau’n wir mal! Gibraltar – sowohl als auch; und Zollunion gerne, vielleicht aber auch erst nach weiteren zwei Jahren Nachspielzeit bis ’22. Das Land weiß nicht, ob es einen Brexit will, und das drückt das Papier gut aus. May amtiert.

In Frankreich gehen Hunderttausende unter anderem für niedrige Spritpreise auf die Straße. Wann brechen bei uns die ersten Massenproteste für das „Menschenrecht auf Diesel“ aus?

Die französischen Benzin- und Dieselpreise lungern bereits um 2 Euro pro Liter herum – vor den neuen Abgaben auf Diesel und CO2. Auch gegen Renault, Citroen und Peugeot wird wegen Betrugsverdachts ermittelt. Macron macht also das Richtige falsch – die erwarteten Mehreinnahmen verschwinden im Staatshaushalt. Bild und AfD propagierten bereits einander verblüffend ähnliche „blaue Plaketten“: „Freie Fahrt für meinen Diesel“ (Bild) und eine Coverversion des alten FDP-Slogans „Freie Fahrt für freie Bürger“ bei den Bremsklötzen hinten rechts. Von wegen Selbstzünder: hat nicht geknallt.

Was haben jetzt eigentlich alle gegen diesen Migrationspakt?

Die Silbe „Pakt“ ist es nicht.

Warum hat man in Hersch­weiler-Pettersheim immer noch GPRS-Netz, während Berlin über 5G schwadroniert?

Bundeswirtschaftswonneproppen Altmaier hat bereits verfügt, ausländische Minister nicht mehr in sein Autotelefon durchstellen zu lassen: es sei ihm peinlich, was dann alles nicht funktioniere. Das kann man als gerechte Strafe lesen für den 50 – Mrd. – Reibach, den dunnmals der Bund mit den UMTS-Lizenzen machte: „Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden“, Hans Eichel. Das konnten sich nur wenige Riesen leisten, Konkurrenz fiel weg, und Netze wurden nur gebaut, wo es sich richtig lohnte. Bei der anstehenden Verlosung der „fünften Generation“, „5G“, sollen die Gewinner deshalb zum lokalen Roaming verpflichtet werden: Wer wo kein Netz bietet, muss es vom Wettbewerber mieten. Die Telekom hat bereits abgelehnt.

Helene Fischer ist auf Platz acht der bestverdienenden Musikerinnen weltweit. Wie kommt’s?

Helene Fischer ist singendes Glutamat; es schmeckt nach dem, was nicht drin ist. Auch eine Kunst und definitiv weltmarktkompatibel. In internationalen Medien wird sie als Deutsch-Russin vorgestellt, was in den USA heikel sein kann und immerhin zeigt, dass Deutschland es nicht ist.

Und was machen die Borussen?

Telefonspaß bei Jupp Heynckes. Mit Münchner Vorwahl anrufen und gucken, ob er drangeht.

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