Bauhaus nach Konzertverbot

Feine Sahne Berlin

Nachdem die Stiftung Bauhaus Dessau ein Konzert der Band Feine Sahne Fischfilet abgesagt hat, springt das Berliner Bauhaus Archiv ein.

Porträt Klaus Lederer

Berlins Kultursenator Lederer ist auch Chef des Bauhaus Verbundes Foto: dpa

BERLIN taz | Sieben Monate ist es her, dass die Mecklenburger Punk-Band Feine Sahne Fischfilet zuletzt in Berlin spielte: zwei ausverkaufte Konzerte in der Columbiahalle vor jeweils 3.500 Fans. Ein nächster Auftritt der antifaschistischen Combo könnte noch in diesem Jahr zustande kommen: im Bauhaus-Archiv in der Klingelhöferstraße in Berlin-Tiergarten. Dahin haben Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Markus Klimmer, Vorstandsvorsitzender des Archivs, die Musiker am Montag eingeladen.

Von der Stiftung Bauhaus Dessau war Feine Sahne Fischfilet am Freitag ausgeladen worden, nachdem CDU, AfD und extreme Rechte in der Stadt gegen deren Auftritt Stimmung gemacht und mit Protesten gedroht hatten. Ursprünglich wollte das ZDF den Auftritt am 6. November im Rahmen einer Sendereihe zum 100. Jubiläum der Bauhaus-Gründung 2019 aufzeichnen.

In seiner Funktion als Vorsitzender des Bauhaus Verbundes hatte Lederer in einem Brief an die Mitglieder des Museumsverbundes die Dessauer Entscheidung kritisiert. Als Reaktion auf sein Schreiben habe Klimmer vorgeschlagen, die Band nach Berlin zu holen, so Lederer im Gespräch mit der taz. „Wir wollen damit der These widersprechen, das Bauhaus sei ein unpolitischer Ort.“ Auch dürfe man dem „Druck der Rechten nicht nachgeben.“

Lederer selbst war noch bei keinem Konzert der Band, lobt aber ihr Engagement: „Feine Sahne Fischfilet ist seit Jahren im Osten unterwegs, um der Landnahme der Nazis etwas entgegenzusetzen.“ Mit einem Auftritt im Berliner Bauhaus Archiv sei das Problem nicht gelöst. „Es geht nicht um Berlin. Es geht um die Frage von Haltung in dieser Zeit“, so der Kultursenator. Ein Auftritt in Dessau bleibe wichtig.

Das Gebäude des Bauhaus-Archivs wird derzeit renoviert. „Wir bieten der Band unsere leer stehenden Museumsräumlichkeiten für einen Auftritt an“, sagt Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin. Die Absage im Bauhaus Dessau sei ein falsches Zeichen.

Bauhaus als politischer Ort

Klimmer hatte in der Berliner Zeitung die Entscheidung der Dessauer Stiftungsdirektorin Claudia Perren kritisiert: „Das Bauhaus ist ein politischer Ort. Wer etwas anderes sagt, hat das Bauhaus nicht verstanden.“ Er sprach von einer schweren Beschädigung der Marke Bauhaus.

Perren war 2015 auf Wunsch der sachsen-anhaltinischen Landesregierung installiert worden. Im Gegensatz zu ihr, hatte ihr Vorgänger, der Architekt Philip Oswalt, stets die politische Geschichte des Bauhauses, zu der auch die Verfolgung seiner Mitglieder im Nationalsozialismus gehört, betont.

Konzerte an Orten, wo die Rechten marschieren, dafür ist die Band bekannt. Auf Facebook schrieb Feine Sahne Fischfilet, die gerade im Urlaub sind und keine Interviews geben wollen: „Dass das Bauhaus einknickte vor dieser rechten Allianz, setzt neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit.“ An einem Auftritt halte die Band fest: „Egal wie… Wir werden am 06.11. in Dessau sein.(…) Versprochen ist versprochen, da kann die CDU, die AFD und die ganzen Jennys aus Köthen kotzen wie sie wollen.“

Am Montagnachmittag erklärte das Anhaltinische Theater Dessau, dass Feine Sahne Fischfilet am 6. November in seinen Räumen auftreten könne. Eine vorher erfolgte Absage des als Ausweichort vorgeschlagenen Theaters wurde nun in einer Stellungnahme als „schlecht überlegt und falsch“ bezeichnet und zurückgenommen. Zusätzlich erklärte die Bauhaus Universität Weimar, dass sie die Band gerne für ein Konzert einladen würde.

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