Zukunft der Berliner Volksbühne

Kritik an Hinterzimmerpolitik

Die ehemaligen Besetzer*innen der Berliner Volksbühne melden sich wieder zu Wort und fordern einen öffentlichen Diskurs.

Zwei Menschen stehen vor einer Wand, an der Schilder hängen

Die Zukunft der Berliner Volksbühne: Eine Angelegenheit aller Berliner*innen? Foto: ap

Die Diskussion um die Berliner Volksbühne ist nach dem Rücktritt von Intendant Chris Dercon neu entfacht. Im Vordergrund steht nun die Personalfrage. Das Kollektiv B6112 verlangt in einem öffentlichen Brief an den regierenden Bürgermeister Michael Müller einen öffentlichen Findungsprozess für Entwicklung des Theaters. In einer Petition fordert das Kollektiv, dass die Zukunft der Volksbühne neu verhandelt werden solle – bereits 40.000 Unterstützer*innen haben unterschrieben. In seinen Augen ist das Experiment, die Spielstätte umzustrukturieren, gescheitert.

Nach andauernden Protesten, ausbleibendem Publikum und mangelnder politischer Unterstützung schmiss Dercon nur wenige Monate nach dem Start seiner ersten Spielzeit hin. Man sei überein gekommen, dass das Konzept von Dercon nicht wie erhofft aufgegangen sei, hieß es in einer Pressemitteilung der Berliner Kulturverwaltung.

Wer nun folgen soll, ist unklar: Momentan sitzt an Dercons altem Platz der neue kommissarische Geschäftsführer Klaus Dörr. Bevor überhaupt die ersten Gerüchte über eine Nachfolge laut werden können, melden sich die ehemaligen Besetzer*innen zu Wort. Im September vergangenen Jahres hatte das Kollektiv B6112 die damals leer stehende Volksbühne in Beschlag genommen, um eine „kollektive Intendanz“ aufzubauen. Nach einer Woche wurde die Besetzung durch die Polizei friedlich geräumt. Zuvor hatte Dercon die verbliebenen Besetzer*innen wegen Hausfriedensbruchs angezeigt.

In ihrem nun veröffentlichten Brief bieten sie ihre Mitarbeit bei der Suche nach einer neuen Lösung an und fordern gleichzeitig in der Übergangszeit die eigene Nutzung der Spielstätte. Vor allem aber kritisieren sie die bisherige Hinterzimmerpolitik, verlangen ein öffentliches Mitspracherecht und warnen vor vorschnellen Entscheidungen. „Den Mitarbeiter*innen, Fachleuten und dem Publikum muss in diesem Prozess die notwendige Zeit und echtes Mitspracherecht eingeräumt werden“, heißt es in dem Schreiben.

Der Vorwurf, dass die Zukunft der Volksbühne hinter dem Rücken der Öffentlichkeit verhandelt worden sei, obwohl es sich um einen öffentlichen Raum handle, ist nicht neu. Schon während ihrer Besetzung schlugen die Kritiker*innen vor, dass die Volksbühne den Berliner*innen gehören und von einem hierarchiefreien Kollektiv verwaltet werden solle.

Um der intransparenten Kommunikation des Kultursenats entgegenzuwirken, soll es nun öffentliche Verhandlungen geben: „Öffentliche Güter können von hier aus wieder öffentlich verhandelt werden! Von hier aus wird eine positive Vorstellung über unsere gemeinsame Zukunft in Berlin greifbar.“

Durch offene Versammlungen sollen die verschiedenen Interessen sichtbar gemacht werden, so der Vorschlag des Kollektivs in ihrem Brief. Die erste Versammlung ist für den 6. Mai 2018 ab 16 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg-Platz angekündigt.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de