Streit mit Medienjournalist

Frieden à la ARD

Der ARD-Sportkoordinator verweigert einem Medienmagazin ein Gespräch, weil dort ein kritischer Journalist arbeitet. Nun vermittelt die ARD.

Axel Balkausky im Portrait

Fühlt sich offenbar von einem freien Medienjournalisten angegriffen: ARD-Mann Axel Balkausky Foto: dpa

Wenn es um die ARD geht, wird es ja oft komplex: Wer ist da für was zuständig? Wer darf über was reden und wer nicht und warum eigentlich nicht? Und wer muss alles eingebunden werden, wenn der eine etwas will, der andere aber nicht – und man da irgendwie eine Lösung finden muss?

In etwa so sieht auch die Fragenkette aus, anhand derer die ARD in den vergangenen zwei Tagen versucht hat, einen Konflikt zu klären, der bis vor Kurzem offiziell kaum jemanden in der ARD interessiert hat.

„Funkstille“, sei es, die seit Monaten zwischen dem ARD-Sportkoordinator, Axel Balkausky, und ihm, dem freien Medienjournalist Daniel Bouhs, herrsche. So schreibt es Bouhs auf Facebook, nachdem das rbb-Medienmagazin am Samstag berichtet hatte, dass Axel Balkausky der Sendung das Gespräch verweigert, weil dort auch Daniel Bouhs spreche. Balkausky, so sagte es Bouhs in der Sendung, boykottiere ihn, seit Bouhs im Dezember kritisch über einige ARD-Moderatoren berichtet hatte. Der Moderator des Medienmagazins, Jörg Wagner, zitierte die Absage-Mail von Balkausky live im Programm: Er habe keine Zeit, und wolle „an keiner Sendung teilnehmen, in der Daniel Bouhs seine Sichtweise auf den ARD-Sport ausbreiten kann“.

Diese Absage war nicht Balkauskys erste: Auch dem Medienmagazin des NDR, „Zapp“, habe er ein Interview verweigert, mit dem Verweis auf Daniel Bouhs, der auch dort arbeitet.

Bouhs ist freier Medienjournalist. Er arbeitet für verschiedene ARD-Anstalten sowie für die taz und beschäftigt sich unter anderem mit den Nebentätigkeiten von Journalisten. Im vergangenen Winter berichtete er über die ARD-Sportmoderatoren René Kindermann und Torsten Püschel. Sie moderieren unter anderem Ski-Rennen, organisieren aber auch, wie Bouhs berichtete, selbst einen solchen Wettbewerb. Das hatte in der ARD eine Debatte ausgelöst und schließlich dazu geführt, dass Axel Balkausky im Februar Daniel Bouhs vor laufender Kamera versprach: „Solche Vermischungen wird es nicht mehr geben.“

Es soll nun ein Gespräch geben mit den beiden Beteiligten und den Redaktionsleitern

Seitdem herrscht eben jene „Funkstille“, die Daniel Bouhs auf Facebook beschreibt – und das, obwohl Balkausky und die ARD in Bouhs’Bericht letztlich gut wegkam. Bouhs sagt, er habe Balkausky seitdem mehrmals um ein Gespräch gebeten, auch die ARD-Pressestelle informiert. Aber: „nix passiert.“ Weder „der Sportkoordinator noch sonst ein Offizieller der ARD“ habe sich „dazu geäußert, wie es nun weitergehen soll“.

Nach der Sendung am Samstag berichteten mehrere Medienseiten und -blogs über den Fall. Der Süddeutschen Zeitung sagte Balkausky, er habe „lediglich in einem persönlichen Mail-Verkehr zwischen Jörg Wagner und mir eine flapsige Anmerkung mit gewissen Vorbehalten gegenüber Daniel Bouhs formuliert“. Jörg Wagner bestreitet auf taz-Anfrage, dass Balkauskys Anmerkung „flapsig“ gewesen sei. Er habe eine offizielle Anfrage gestellt und eine offizielle Ablehnung mit der zitierten Begründung erhalten.

Am Dienstag reagierte schließlich auch die ARD: Es soll nun ein Gespräch geben zwischen Axel Balkausky und Daniel Bouhs. Auch die Redaktionsleiter der betroffenen Sendungen, Jörg Wagner vom rbb und Annette Leiterer vom NDR, sollen dabei sein. Der rbb hatte das Gespräch angeregt. Alle Beteiligten haben ihm zugestimmt.

Bouhs freut sich über das Angebot und hofft, dass er nach dem Gespräch weiter arbeiten kann wie bisher. „Es geht darum, zu zeigen, dass die ARD in der Lage ist, sich immer wieder aufs Neue auch selbst zu hinterfragen – auch wenn das bisweilen unangenehm ist.“ Das gehe aber nur, wenn beide mitmachen – Berichterstatter und Funktionäre.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben