Rotherbaum-Tennis ohne Zverev

Star lässt Hamburg hängen

Trotz Vertrags spielt Alexander Zverev nicht beim German Open am Rothenbaum. Nun soll der verletztte Tommy Haas Zuschauer ins Stadion locken

Weniger ist leer: Hamburg-Rotherbaum diesmal ohne Alexander Zverev Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

HAMBURG taz | Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Andy Murray – das sind Namen, mit denen sich Tickets verkaufen und TV-Verträge abschließen lassen. Das Problem ist nur, dass diese Topstars der Tennis-Szene für sehr viele Turnierdirektoren unerschwinglich sind. Erfindungsreichtum ist daher gefragt. Auch das Entdecken von Potenzialen fällt in diese Kategorie.

Michael Stich gelang dies vor vier Jahren. Er hatte damals den Blick dafür, dass dieser schlaksige, erst 16 Jahre alte Hamburger auf Weltranglistenplatz 798 ein großes Versprechen für die Zukunft sein würde. Und so schloss der Direktor des ebenso traditionsreichen wie in seiner Existenz bedrohten Turniers am Hamburger Rothenbaum flugs einen Fünf-Jahres-Vertrag mit diesem Lokalmatadoren namens „Alexander Zverev“. Der Sohn eines früheren sowjetischen Top-Spielers war hocherfreut. Er sei dankbar für die Chance, sagte Zverev artig.

Gutes Benehmen und Dankbarkeit können schnell abhanden kommen. Das musste Stich nun erfahren. In einer Pressekonferenz räumte er ein, dass Alexander Zverev, die Nummer zehn der Weltrangliste, nicht auf der Meldeliste für die 111. Auflage des Turniers in der Hansestadt vom 22. bis 30. Juli stehe.

„Das ist schade, das ist auch traurig“, konzedierte er. Der Wimbledonsieger von 1991 kam erst durch eigene Recherche dahinter, dass Zverev nicht in seiner Geburtsstadt aufschlagen wird. Er entdeckte dessen Namen auf der Meldeliste für das Turnier in Washington, das am 29. Juli beginnt. Mit Zverev wurde schon auf Plakaten für das Turnier in Hamburg geworben.

Stich zeigte sich unermüdlich darin, das eigene Teilnehmerfeld zu loben. „Das Turnier ist der Star. Wir legen keinen Fokus auf einzelne Spieler“, sagte er. Der Top-Spieler ist nun der hierzulande weithin unbekannte Spanier Pablo Carreno Busta, die Nummer 17 der Welt.

Der Groll über Zverevs Abwesenheit war Stich dennoch anzumerken. Klar wünsche man sich, dass da etwas zurückkomme, räumte der 48-Jährige ein. „Das ist ein Geben und Nehmen. Mit Alexander haben wir eine Fünfjahresvereinbarung für den Start bei seinem Heimatturnier. Die gilt noch bis 2018.“ Unerfreulich lief es schon im vergangenen Jahr, als Alexander Zverev in Runde eins sang- und klanglos ausschied.

Auch Zverevs neun Jahre älteren Bruders Mischa, der Nummer 31 der Welt, startet nicht in Hamburg. Er bereitet sich in Atlanta auf die Saison vor. Für die Zverev-Brüder sind die US-Open extrem wichtig. Eine Rückkehr auf Sand schade der Vorbereitung, sagen sie. Auf dem Rasen läuft es allerdings auch eher mäßig. Am Wochenende mussten beide eine Halbfinalpleite hinnehmen. Mischa verlor beim ATP-Turnier in Stuttgart gegen Feliciano Lopez und Mischa patzte im niederländischen ’s-Hertogenbosch.

Michael Stich ärgert besonders Mischas Absage, der häufig mit einer Wildcard in Hamburg gestartet ist: „Ich bin anders erzogen. Wenn ich eine Zusage gegeben habe, halte ich sie auch ein.“ Mit dem zugkräftigeren Alexander will es sich Stich offensichtlich nicht endgültig verderben.

Beide Brüder dürften mitbekommen haben, wie bedrohlich die Lage für das Turnier am Rothenbaum ist. Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) erwägt, die ATP-Lizenz zu veräußern. Sollte es dazu kommen, wird das Herren-Turnier 2018 die letzte Ausgabe sein. In diesem Jahr soll ein alter Bekannter zum Retter in der Not werden: Der inzwischen 39 Jahre alte, ebenfalls in Hamburg geborene, Tommy Haas soll es als „Local Hero“ richten. „Tommy hat eine Wildcard für das Hauptfeld. Ich gehe davon aus, dass er spielen wird“, sagte Stich. Haas machte zuletzt häufig seine lädierte Schulter zu schaffen, weswegen er Turniere absagen musste. Kaum einer dürfte so um die Schulter bangen wie Michael Stich.

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