Linke Kneipe feiert Geburtstag

Diskursives Trinken

Das Laidak in Neukölln hat sich nicht nur Freunde gemacht. Am Sonntag feiert die Schankwirtschaft ihr Siebenjähriges.

Blick auf das Treiben im Laidak

Bücher gibt es hier genug, falls es mal an Gesprächsstoff fehlen sollte im Laidak Foto: André Wunstorf

Auf den ersten Blick ist das Laidak in der Boddinstraße in Neukölln eine Kneipe wie so viele andere im Kiez auch. Abgeranztes ­Mobiliar, viele Bücher an den Wänden, um eine gewisse Wohnzimmeratmosphäre zu erzeugen, und auch um 2 Uhr nachts bekommt man hier noch problemlos ein kaltes Bier. Kein ­Chichi, dafür Alkohol in allen Varianten und sogar Berliner Weiße mit Schuss zu akzeptablen Preisen, das ist hier das Programm.

Doch der Laden, der diesen Sonntag seinen siebten Geburtstag feiert, ist mehr als nur eine profane Kneipe. Er ist ein Ort, vor dem die sogenannte Antizionistische Aktion, eine verwirrte, antisemitische Berliner Gruppe, ausdrücklich warnt. „Zionists of Berlin“, informiert diese auf ihrer Facebook-Seite, würden hier verkehren. Hier und im Tristeza in der Pannierstraße, das Mitte März ebenfalls zum großen Geburtstagsumtrunk lädt. Diese Neuköllner Kneipe wird dann sogar elf Jahre alt.

Als Szenetreffpunkt der sogenannten Antideutschen gilt das Laidak. Bernd Volkert, einer der drei Betreiber sagt dazu: „Ja, diese Zuschreibung haben wir. Und sie ist in gewisser Weise auch richtig.“ Man tut schließlich ja auch einiges für diesen Ruf. Durchschnittlich einmal in der Woche gebe es Veranstaltungen, sagt er, Lesungen, Informationsabende, Diskussionen. Gern zu Themen wie neue Rechte, Nazismus, Israel und Antisemitismus. Diverse Organe aus dem Spektrum der Antideutschen haben bereits Abende gestaltet. Die Jungle World hat hier schon geladen, genauso wie die Politpostille Bahamas.

Damit macht man sich nicht nur Freunde. Von Linken werde die Kneipe aufgrund der proisraelischen Grundhaltung beargwöhnt, sagt Volkert. Von Rechten sowieso.

Anschlag auf die Schankwirtschaft

Und vor ein paar Jahren gab es gar einen Anschlag. Vermummte stürmten die Schankwirtschaft und warfen Flaschen in Richtung Tresen. Es sei reines Glück gewesen, so Volkert, dass niemand verletzt wurde.

Das Laidak findet sich in Neukölln in der Boddinstraße. Das Wort Laidak hat einen slawischen Wortstamm und bedeutet so viel wie Schurke oder Taugenichts. Diesen Sonntag feiert die Schankwirtschaft ihren siebten Geburtstag. Aus diesem Anlass wird es Freibier geben (150 Liter stehen bereit) und diverse Autoren aus dem Kneipenumfeld lesen dazu Texte aller Art.

Das Laidak ist eigentlich eine ganz normale Kneipe, die täglich von 12 bis 3 Uhr geöffnet hat. Gleichzeitig gilt sie auch als Treffpunkt der sogenannten Antideutschen. Zu deren bevorzugten Themen wie neue Rechte, Adorno und Israel gibt es regelmäßig Veranstaltungen. (aha)

Das Laidak wurde Opfer eines Angriffs des sogenannten Jugendwiderstands, einer bizarren Gruppe, die bevorzugt in Neukölln auch mit Gewalt bevorzugt gegen Linke vorgeht, die ihrer Meinung nach zionistisch orientiert sind. „Scheiß-Gentrifizierer“ wurde den Laidak-Mitarbeitern hinterm Tresen außerdem hinterhergerufen. Volkert wirkt halbwegs amüsiert dar­über, dass sein Laden auch noch mitverantwortlich für die Verdrängung bestehender Kiezstrukturen gemacht wird, wirklich lustig findet er das freilich aber auch nicht. Hat man es einfach schwer als linke Kneipe in Neukölln? Es ist kompliziert. Volkert sieht sich selbst nicht einmal als Linken. Kommunistisch sei er, sagt er, und anarchistisch, aber nicht links. Wie auch immer.

Anders als die anderen

Anders als klassische linke Kneipen in Berlin ist das Laidak in jedem Fall.

Linke Kneipen, das sind doch eigentlich diese Läden, wo es am Wochenende veganen Brunch gibt und man überall darauf hingewiesen wird, dass man sich gefälligst nicht sexistisch verhalten solle, weil man sonst rausfliegen werde.

Orte wie die berühmte Kadterschmiede in Friedrichshain, wo Punks mit ihren Hunden rumhocken. Oder das Café Morgenrot in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg, das im Kollektiv betrieben wird und am Montag geschlossen hat, weil da Plenum ist. Und so ein Laden ist das Laidak sicherlich nicht. „Wir gelten in der Szene als sexistisch“, sagt Volkert. Warum das so ist, darauf vermag er sich auch keinen Reim machen.

Bei der Geburtstagsfeier soll es nun darum gehen, was seinen Laden im Wesentlichen ausmacht: trinken und dazu etwas veranstalten. Es wird Freibier geben und diverse Autoren, unter anderem das Betreiberteam des Laidak, werden Texte lesen.

Volkert selbst ist eigentlich Politikwissenschaftler, hat die wissenschaftliche Karriere inzwischen aber an den Nagel gehängt.

Er schreibe nur noch hobbymäßig für diverse Magazine, sagt er, natürlich für antideutsch Orientierte. Und er hat vor Kurzem einen Gedichtband herausgegeben. Nach ein paar Bieren wird er bestimmt auch aus diesem vorlesen.

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„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

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