Der neue Vorsitzende der NPD, Holger Apfel, will der Neonazi-Partei einen sauberen Anstrich geben. Doch Berichte über Verbindungen zum Terrortrio machen ihm Angst.von Andreas Speit

Die Nähe ist da: Uwe Böhnhardt und der spätere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben. Bild: dapd
HAMBURG taz | Die Angst ist da. Zwischen den Feiertagen äußert sich der NPD-Bundesvorsitzende, Holger Apfel, besorgt wegen eines möglichen Parteiverbotsverfahren: "Die Situation ist ernst". Er befürchtet, dass ein Verfahren Wähler abschrecken könnte, Sympathisanten nicht Parteimitglieder werden und Rechtskosten lähmen könnten. "Ein solches Verfahren würde wohl fünf Jahre dauern. Das würde personell Kraft und Zeit binden", sagt er selbst.
Nach dem zufälligen Auffliegen des Neonazitrios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die zehn Menschen ermordet haben sollen, wird erneut breit über ein Verbot der ältesten neonazistischen Partei Deutschlands diskutiert.
Doch die NPD bestreitet die Verbindungen heftig. Kein Medium der Partei, in dem sie nicht vehement jede Nähe zur NSU verneint. In einem Podcast "Zum Jahresabschluss" führt Apfel auf dem NPD-Portal DS-Aktuell aus, dass eine "beispiellose Pogromhetze" laufen würde, inklusive einer Verleumdung seiner Person weil er vor 15 Jahren an einer Demonstration teilnahm, bei der auch Beate Zschäpe war, die ihm "vollständig unbekannt" gewesen sein soll.
Dass mit Ralf Wohlleben ein langjähriger führender NPD-Kader in Haft ist, der während seiner Parteizugehörigkeit dem Trio eine Waffe und Munition zukommen gelassen haben soll, wird weggewischt: Es sei „dreist“, die NPD wegen eines „eventuellen Einzeltäters“ zu kriminalisieren, meint Apfel. Doch so kämpferisch er sich gibt, so besorgt ist er.
Denn die Verbotsdebatte kommt für den neuen Parteivorsitzenden mehr als ungünstig, sagt Martin Langebach, Rechtsextremismusexperte von der Universität Düsseldorf der taz: "In der Öffentlichkeit will er die Partei verstärkt als 'Kümmerpartei für die einfachen Leute' aufstellen".
Doch die Annahme, dass es weitere Verstrickungen der NPD zu der Neonazi-Terrorzelle NSU gibt, laufe diesen Imagebemühungen zuwider, sagt Langebach. Für die rechte Szene müsse die Partei nicht die Distanz suchen. "Um aber in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, wo Apfel weiter neue Wähler und Akzeptanz finden will, jedoch schon", sagt Langebach.
Zugleich verweist die NPD immer wieder auf die Skandale des Verfassungsschutzes. "Ginge es den Etablierten ernsthaft um die Aufdeckung der wirklichen Hintergründe, würden sie den Fokus nicht auf die NPD, sondern auf den Verfassungsschutz richten", so Apfel in einem Interview mit DS Aktuell. In den Landtagen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern bemüht sich die NPD zudem die "drei jungen Leute" als Marionetten des Verfassungsschutzes darzustellen und fordert den Abzug der V-Männer.
Doch nicht nur den Verfassungsschutz nutzt die Partei als Alibi um sich von „Terrorismus und Gewalt“ zu distanzieren. Sie zieht auch Grenzen zur Szene. Die NPD-Führung erklärte die Neonazis Martin Wiese und Karl-Heinz Hoffmann als "unerwünschte Redner" bei Parteievents.
"Die NPD will Schlagzeilen mit Beziehungen zu Gewalt und Anschlägen vermeiden" sagt Rechtsextremismusexperte Langebach. Wiese saß wegen eines geplanten Bombenanschlags auf das Jüdische Zentrum in München sieben Jahre in Haft, Hoffmann war Gründer der später verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann.
Schon bei dem Verbotsverfahren 2003 versuchte die NPD sich moderater zu gerieren, sagt Langebach und warnt zugleich vor den Gefahren eines erneuten Scheiterns: "Bisher sind die Beweise der Gewaltverstrickung der Partei dünn, die Rolle der V-Leute immer nicht geklärt".
Bayerns Ex-Innenminister Günther Beckstein muss vor dem Untersuchungsausschuss aussagen. Fehler der bayerischen Behörden sieht er nur im Detail von Wolf Schmidt

In Hamburg präsentieren sich drei Kandidatinnen für den Bundesvorstand der Linkspartei. Applaus gibt es für Katja Kipping, Schelte für den abwesenden Dietmar Bartsch. von Marco Carini

Fast 13 Jahre lang konnte die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen, ohne dass ihr die Ermittlungsbehörden auf die Spur gekommen waren.
Erst als die Mitglieder Uwe M. und Uwe B. nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil Selbstmord begingen, ihre Komplizin Beate Z. die gemeinsame Wohnung in Zwickau in die Luft jagte und sich dann der Polizei stellte, fügten sich die Puzzleteilchen vieler ungelöster Verbrechen plötzlich zu einem größeren Bild zusammen: Die Morde an acht türkischen und einem griechischen Kleingewerbetreibenden haben einen rassistischen Hintergrund und gehen sämtlichst auf das Konto der Gruppe.
Die ist auch verantwortlich für die tödlichen Schüsse auf eine Polizistin in Heilbronn sowie ein Nagelbombenattentat in einem mehrheitlich von MigrantInnen bewohnten Kölner Viertel. Ihre Beteiligung an weiteren Taten wird derzeit geprüft. Eigentlich undenkbar ist, dass die Gruppe so lange ohne breitere Unterstützung durch das rechtsextreme Milieu im Verborgenen operieren konnte.
Erste Festnahmen mutmaßlicher Helfer haben schon stattgefunden. Und zudem stellt sich die Frage: Inwieweit war der Verfasssungschutz mit seinen Fühlern in dier Nazi-Szene über das Treiben der Gruppe informiert? Die taz berichtet ausführlich über den Terror von rechts.
Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
30.12.2011 10:51 | LinkeAugenBlindheit
Wenn die NPD wegen der Verbindungen einzelner Mitglieder zur NSU verboten werden würde, hätte man so ziemlich jede Partei v ...
30.12.2011 00:16 | hugo
Find auch NPD verbot kontraproduktiv und verschleiert nur die Gefahr. ...
29.12.2011 16:15 | P.Haller
"beispiellose Pogromhetze" ...