US-Comedian in Berlin zu Trump

„Es ist schwer, jetzt noch zu lachen“

Der in Berlin lebende US-Comedian Josh Telson über den Schock der Wahlnacht und warum wir lernen müssen, trotzdem über Trump zu lachen.

Da lachten sie noch: Anhänger der Demokraten am frühen Dienstagabend bei einer Wahlparty in Berlin. Foto: dpa

taz: Glückwunsch, Herr Telson, für Ihre Arbeit als Comedian muss es doch gut sein, dass Trump gewonnen hat – die Steilvorlagen für neue Witze dürften Ihnen in Zukunft nicht ausgehen.

Josh Telson: Im Gegenteil. Für mich als Comedian wäre es besser gewesen, wenn Hillary Clinton gewonnen hätte. Es ist schwer, über etwas zu lachen, während die Welt unter einem Präsidenten Trump vor die Hunde geht. Ich hätte nach der Wahl lieber Witze darüber gemacht, was für ein buchstäblicher Verlierer Trump ist.

Es ist anders gekommen. Was machen Sie nun als Komiker daraus?

Ich glaube, es braucht ein bisschen Zeit, bis wir uns wieder zu Scherzen aufgelegt fühlen. Aber natürlich müssen wir irgendwie einen Weg finden, darüber lachen zu können. Wir müssen uns weiterhin über Trump lustig machen und ihn so albern dastehen lassen wie möglich. Andererseits, auch wenn ich wünschte, dass die Wahl anders ausgegangen wäre – immerhin sind einige meiner liebsten Comedy-Shows in der Bush-Ära entstanden, als die Menschen am wütendsten waren: „The Daily Show“, „Lewis Black“, „The Colbert Report“ zum Beispiel. Insofern mache ich mir keine Sorgen, dass mir nicht bald wieder zum Scherzen zumute ist. Aber ich mache mir Sorgen um den Zustand der Welt.

34 Jahre. 2011 zog der Come­dian und Filmemacher, der im Staat New York aufwuchs, mit seiner Familie nach Berlin.

Haben Sie schon die ersten Anrufe von Freunden aus den USA bekommen, die nun nach Berlin auswandern wollen?

Zwei Freunde haben mir bereits geschrieben. Beide haben mich gefragt, ob sie zu mir nach Berlin kommen können. Einer von ihnen meinte das wohl eher ironisch. Aber der andere versucht jetzt offenbar ernsthaft, zum Studieren nach Europa zu kommen. Er sucht nun nach Unis in Berlin.

Sie haben gestern Abend im Comedy Club in Neukölln eine komödiantische Wahlparty veranstaltet. Wie haben die Amerikaner in Berlin auf Trumps Sieg reagiert?

So gegen zwei Uhr morgens, als es sich langsam abzeichnete, dass Trump gewinnen würde, wurde es richtig still im Comedy Club. Die Leute waren erschüttert. Ich war zuerst auch ziemlich schockiert – dann kam die Enttäuschung. Es ist eigenartig, jetzt gerade in Berlin zu sein. Ich verstehe Trumps Sieg als ein Zeichen, länger in Berlin zu bleiben. Ich habe einen deutschen Pass, weil meine Mutter Deutsche ist. Aber Amerikaner, die irgendwann zurück in die Staaten gehen wollten, sind ziemlich verloren. Sie wissen nicht, was sie jetzt tun sollen.

Viele Amerikaner haben nach dem Wahlsieg Trumps schlicht Angst, wie es in ihrem Heimatland weitergeht. Und Sie?

Wir haben jetzt einen republikanischen Senat, deshalb kann die Opposition überhaupt nichts tun. Dazu kommt, dass ein Präsident Trump unberechenbar ist, deshalb ist es sehr schwer vorauszusagen, was mit den USA passieren wird. Ja, es ist unheimlich.

.

„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de