Tierschutz siegt gegen Wirtschaft

San Francisco verbietet Pelz-Verkauf

Die US-Metropole hat den Verkauf von Pelzen untersagt. Der Schutz von Mensch und Tier steht dort nicht zum ersten Mal über den Interessen der Wirtschaft.

Zwei Frauen in Pelz gehen eine Treppe hinunter

Nicht länger unter dem schützenden Schirm der Wirtschaft: Pelz Foto: dpa

SAN FRANCISCO ap | Als bisher größte Stadt in den USA hat San Francisco den Verkauf von Pelzen verboten. Tierschutzorganisationen begrüßten die einstimmige Entscheidung des Verwaltungsrats am Dienstag, während Einzelhändler Kritik anmeldeten. Das Verbot tritt am 1. Januar in Kraft, die Geschäfte dürfen Pelzprodukte aus ihrem Bestand aber noch bis zum Jahresbeginn 2020 verkaufen.

Nach Einschätzung der örtlichen Handelskammer werden rund 50 Einzelhändler im Stadtgebiet von dem Verbot betroffen sein. Mit Pelzwaren vom Mantel bis zum Schlüsselanhänger werden in San Francisco bisher geschätzte 40 Millionen Dollar pro Jahr umgesetzt. Die Stadt geht dennoch nicht davon aus, dass das Verbot der Wirtschaft in der Stadt in größerem Umfang schaden wird.

Wayne Hsiung, Mitbegründer des Tierschutznetzwerks Direct Action Everywhere, sprach von einer historischen Tat, die nun eine neue Welle von Tierschutzgesetzen in der ganzen Welt auslösen werde. Der Chef des Unternehmens West Coast Leather, Skip Pas, der in erster Linie Leder-, aber auch Pelzwaren anbietet, sah dagegen sein Geschäft beeinträchtigt. Er hätte sich eine Abstimmung der Bürger der Stadt gewünscht, erklärte er.

San Francisco hat schon in der Vergangenheit immer wieder sein soziales Gewissen gezeigt, oft auch auf Kosten der Wirtschaft. So verbot der Verwaltungsrat bereits Mentholzigaretten und anderen aromatisierten Tabak. Zu dem Verbot werden die Wähler im Juni befragt. 2016 führte die Stadt eine bezahlte Elternzeit von sechs Wochen ein. Auch Vorführungen mit exotischen Tieren und der Verkauf von Hunden und Katzen im Einzelhandel wurde untersagt.

Der Verkauf von Pelz ist bereits in zwei anderen kalifornischen Städten verboten, die aber deutlich kleiner sind: in West Hollywood und Berkeley.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben