Sanierungsfall Humboldthain-Schule

Nicht so hüpfen, dann geht das schon

An einer Weddinger Grundschule sind die Toiletten kaputt, die Aula ist asbestbelastet. Saniert wird das erstmal trotzdem nicht.

Stinken vielerorts zum Himmel: Schulklos. Hier eine Toilette an einem niedersächsischen Gymnasium Foto: Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance

An der Weddinger Humboldthain-Grundschule sind die Toiletten kaputt. Sie würden offenbar so dermaßen stinken, dass ihr Sohn sich weigere, in der Schule aufs Klo zu gehen, erzählt eine Mutter. Nun gibt es theoretisch Geld und einen Plan, diese Misere zu beheben: Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) und seine Parteifreundin Bildungssenatorin Sandra Scheeres haben kürzlich eine Art „Fahrplan“ vorgestellt, was wann wo repariert werden soll. Die Humboldthain-Schule taucht dort allerdings gar nicht auf.

Wie kann das sein, denken sich die Eltern, sind die Toiletten noch nicht kaputt genug? Es ist komplizierter, sagt Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU). Tatsächlich habe man fünf Millionen Euro Sanierungsbedarf, und zwar nicht nur für die Toiletten, bei der Bildungsverwaltung angemeldet. Warum die in dem Sanierungsfahrplan nicht auftauchen, wisse man im Schulamt auch nicht. In der Bildungsverwaltung heißt es, der Fahrplan werde ja fortgeschrieben. Was nicht ist, kann also noch werden.

Eigentlich ist es aber auch ein bisschen egal, was in diesem Fahrplan steht. Denn was mit fortschreitender Schulbauoffensive – 5,5 Milliarden Euro sollen investiert werden – immer deutlicher wird. Trotz Geld, trotz Plan für das Ausgeben dieses Geldes: Das Nadelöhr bleiben die Ressourcen.

In der Baumaßnahmenplanung des Bezirks Mitte ist die Humboldthain-Grundschule mit ihrer WC-Sanierung nur „Nachrücker“ für die Arbeiten, die bis 2019 begonnen werden sollen. Das heißt: Nur falls für das Hochbauamt noch Personal vom Himmel fällt, können die jetzigen Humboldt-SchülerInnen während ihrer Grundschulzeit doch noch die Annehmlichkeiten funktionierender Wasserklosetts genießen.

Mittes „Toilettenranking“

Natürlich kann man nicht alles sofort sanieren, die Schulbauoffensive geht deshalb ja auch über zehn Jahre. Spalleks Schulamt hat deshalb ein „Toilettenranking“ das man stets zu Rate ziehe, wenn die knappen Ressourcen verteilt werden müssen. Und da gibt es offensichtlich noch schlimmere Örtchen als die der Humboldthain-Schule. Was aber klar wird: dass sich da bereits ein Rückstau bei der Schulbauoffensive bildet, Geld und Fahrplan zum Trotz.

Manches wird vielleicht auch gar nicht saniert: In der Aula der Humboldthain-Grundschule wurde Asbest verbaut. Im Kollegium klage man seit Jahren über eine Häufung von Atemwegsinfekten, erzählt eine Lehrerin. Das Gutachten des Schulamts stellte fest: Wenn man nicht so doll auf der Theaterbühne rumhüpft, dann geht das schon, weil man nicht so viele Schadstoffe aufwirbelt.

Die Schulleiterin hat die Aula jetzt einfach ohne amtliche Anordnung gesperrt.

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