Russland kritisiert US-Luftschlag scharf

Lawrow wirft USA Ablenkung vor

Russlands Außenminister ist erbost. Die USA hätten keine Fakten präsentiert und wollten nur von der humanitären Katastrophe in Mossul ablenken.

Sergej Lawrow guckt finster, sein Mund ist von einem vor ihm Sitzenden verborgen

He is not amused: Russlands Außenminister greift die USA nach deren Luftschlag gegen das syrische Regime scharf an Foto: dpa

BERLIN taz | Russland hat am Freitagmorgen deutlich und hart den am frühen Morgen erfolgten US-amerikanischen Raketenangriff auf eine syrische Luftwaffenbasis kritisiert. Bei dem Luftschlag sind den syrischen Streitkräften zufolge sechs Menschen ums Leben gekommen.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Präsident Wladimir Putin halte den Angriff für eine „Aggression gegen einen souveränen Staat“ und verstoße gegen internationales Recht.

US-Präsident Donald Trump hatte den Einsatz von Marschflugkörpern befohlen, nachdem mutmaßlich das syrische Regime Giftgas in Chan Scheichun eingesetzt hatte. Dabei kamen laut Aktivisten 86 Menschen ums Leben, darunter auch Kinder. Es ist das erste Mal nach sechs Jahren, dass das US-Militär direkt und willentlich syrische Regierungstruppen angegriffen hat.

Wladimir Putin glaube, durch das Vorgehen der USA werden die Beziehungen zwischen USA und Russland Schaden nehmen und Anstrengungen, gemeinsam gegen Terrorismus vorzugehen, unterminiert, so Kreml-Sprecher Peskov weiter.

Außenminister Lawrow fordert Belege von den USA

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende im Außenausschuss des Oberhauses des russischen Parlaments, Konstantin Kosatschew. Der US-Angriff beende wohl die Hoffnungen auf eine amerikanisch-russische Zusammenarbeit in Syrien, sagte er. Russische Raketen würden die Terroristen treffen, US-amerikanische treffen die syrischen Regierungstruppen, die den Kampf gegen die Terroristen führen“, so ein Statement von ihm auf Facebook.

Das russische Außenministerium ließ verlauten, dass die USA mit ihrem Raketenangriff nur von der von ihnen verantworteten humanitären Katastrophe im irakischen Mossul ablenken wollten. Darüber hinaus habe Damaskus keine Chemiewaffen eingesetzt, es besitze nämlich keine, wie Inspektionen beweisen. Es seien Terroristen, die Chemiewaffen produziert haben.

Russland hat zudem das sogenannte „Deconfliction Memorandum“ ausgesetzt, das garantiert, dass es nicht zu Zwischenfällen zwischen US-amerikanischen und russischen Einheiten in syrischem Luftraum kommt. Russland ruft zu einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats auf.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, die USA hätten keine Fakten zu Idlib präsentiert, sondern sich lediglich auf Bilder von Kindern verlassen. Gemeint sind Bilder toter Kinder, die die Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen Nikki Haley hochhielt. Der mutmaßliche Giftgasangriff fand Chan Scheichun in der Provinz Idlib statt.

Lawrow bezeichnet Weißhelme als „Gauner“

Die USA würden sich lediglich auf Nichtregierungsorganisationen inklusive „allseits bekannter Gauner“ aus den Reihen der Weißhelme verlassen, so Lawrow weiter. Die Weißhelme sind eine Freiwilligenorganisation in Syrien, die humanitäre Hilfe für Zivilisten leistet, deren mediale Rolle jedoch umstritten ist.

Lawrow sagte darüber hinaus, er wisse nichts vom Tot russischer Staatsbürger.

Am 11. April wird Rex Tillerson erstmals als US-amerikanischer Außenminister in Russland erwartet. Bei dem für zwei Tage anberaumten Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow soll es eigentlich um internationale Sicherheit und die Kriege in Syrien oder auch in der Ostukraine gehen. Der US-Angriff auf die syrische Luftwaffenbasis dürfte das Treffen der beiden Minister überschatten.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben