Rechtlicher Rahmen der Liebe

Zum Stein, zum Baum, zu vielen

Ob Polyamorie wie in Kolumbien oder Objektophilie wie in Großbritannien: Die Formen der Liebe sind vielfältig – die rechtlichen Eheregelungen ebenfalls.

Eine schwarz-weiß Aufnahme aus einem Film, eine Frau und zwei Männer am Strand

Der Dreiecksklassiker „Jules und Jim“ von François Truffaut aus dem Jahr 1953 Foto: Keystone / picture alliance

BERLIN taz | Als die Britin Tracey Emin vor eineinhalb Jahren einen Stein in ihrem Garten heiratete, fragte sich viele: Hat die noch alle Kerzen im Leuchter?

Dabei ist Objektophilie, so der wissenschaftliche Begriff für die Liebe zu Dingen, keine Erfindung der eigenwilligen Londoner Künstlerin, sondern ein Phänomen, das es bereits in der Antike gab. Damals verliebten sich Menschen in Statuen, umarmten und küssten sie.

Objektsexualität hält bis in die Neuzeit an: 2007 heiratete die Amerikanerin Erika LaBrie den Eiffelturm und nennt sich seitdem Erika Eiffel oder Erika La Tour Eiffel. Die Schwedin Eija-Riitta Wallis Winther Arja Nikki Lee Eklöf heiratete 1979 die Berliner Mauer. Seit dem Mauerfall 1989 bezeichnet sich Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer, wie sie seit ihrer Hochzeit heißt, allerdings als geschieden. Verwitwet wäre zwar passender gewesen. Aber vielleicht wollte die Frau ihre steinerne Lebenspartnerin einfach nicht mit Menschen teilen, die sich Stücke aus dem Leib ihrer Geliebten klopfen und sich zu Hause in Glasvitrinen stellen. Vermutlich legte die Schwedin Wert auf Exklusivität, Treue und Zweisamkeit.

Die erste legalisierte „Trieja“

Sicher genau das Gegenteil beabsichtigen drei schwule Männer, die jetzt in Kolumbien die „Dreier-Ehe“ geschlossen haben: Jeder der drei will nicht mit einem einzigen, sondern mit mehreren Partnern verheiratet sein. Die kolumbianischen Behörden haben die Verbindung der drei Schwulen am Montag notariell beglaubigt. „Wir leben zusammen, teilen Haus, Bett, alles“, sagte einer der Eheleute nach der Einschreibung.

Die staatlich anerkannte Vielehe ist in dem südamerikanischen Land nicht unumstritten, gewöhnlich besteht dort eine Ehe aus der klassischen heterosexuellen Verbindung aus Frau und Mann. Die neue Dreier-Ehe dürfte auch in Deutschland, wo Vielehen verboten sind, die Debatte über Verbindungen mit mehreren EhepartnerInnen anheizen.

Gewöhnlich sind Vielehen eher aus muslimischen Ländern bekannt. Zwar wird dort auch die Einehe präferiert, grundsätzlich ist es aber möglich, dass ein Mann mehrere Frauen hat. Allerdings muss er dann dafür sorgen, dass jede Ehefrau nicht nur einen eigenen Haushalt hat, sondern auch genug Geld, mit dem sie machen kann, was sie will. Ebenso muss der Mann „seine“ Frauen alle gleich behandeln.

Selbst der jüngste „Tatort“ aus München thematisierte Polyamorie, aber sehr stereotyp

Hierzulande gerieten Vielehen vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern ins Blickfeld: Dürfen hier Muslime mit mehreren Partnerinnen verheiratet sein? Justizminister Heiko Maas (SPD) hat klargestellt: Nein. „Niemand, der zu uns kommt, hat das Recht, seine kulturelle Verwurzelung oder seinen religiö­sen Glauben über unsere Gesetze zu stellen“, sagt Maas vor einem Jahr.

Polyamorie und Sologamie

Die kolumbianische Dreier-Ehe könnte hier aber noch eine andere Beziehungskonstellation anheizen: Polyamorie, die gleichzeitige Liebe zu mehreren Menschen, die voneinander wissen. Selbst der jüngste „Tatort“ aus München thematisierte polyamore Liebe – wenngleich auf stereotype und klischierte Weise.

Ganz schön verwirrend, oder? Nö, da geht noch was. Es gibt Menschen, die lieben und heiraten Bäume, die nennt man ­Dendrophile. Und dann gibt es noch welche, die lieben und heiraten sich selbst – so wie die britische Fotografin Grace Gelder, die sich 2014 das Ja-Wort gab. Das nennt sich Selbstheirat, ­Gelder lebt seitdem in Sologamie.

Welche psychischen, sozialen und familiären Folgen eine eventuelle Scheidung von sich selbst hat, ist weitgehend unbekannt. Ebenso, wie das bei einer Soloehe in Deutschland mit dem Ehegattensplitting ist.

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