Lärmschutz in Göttingen

Mit Tempo 30 durch die Nacht

Auf den Hauptstraßen der niedersächsischen Stadt muss ab Freitag langsamer gefahren werden. ADAC, CDU und viele Leserbriefschreiber sind empört.

Drosseln ja, aber nur von 22 bis 6 Uhr. Bild: dpa

GÖTTINGEN taz | Die ersten Schilder stehen, doch die Regelung gilt offiziell erst ab Freitag: Autos, Lastwagen und Motorräder dürfen auf mehreren Göttinger Hauptstraßen nachts zwischen 22 und 6 Uhr nur noch mit höchstens Tempo 30 unterwegs sein. So sollen Einwohner vor Verkehrslärm geschützt werden.

Der Stadtrat hatte das mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken und Piraten beschlossen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung betrifft vorerst sieben größere Straßen, die überwiegend durch Wohngebiete führen. Bislang gab es Tempo 30 nur in reinen Wohnvierteln oder Erholungsgebieten.

Mit der Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde könne die Lärmbelastung um zwei bis drei Dezibel gesenkt werden, sagen die Befürworter des Tempolimits. Dagegen liege der häufig befürchtete Zeitverlust durch Tempo 30 im Vergleich zu Tempo 50 theoretisch bei unter fünf Sekunden auf 100 Metern.

Die Göttinger Grünen setzen sich sogar für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit ein. Mit keiner anderen Maßnahme, einem vergleichbaren Finanzaufwand und derselben Umsetzungsgeschwindigkeit seien Ziele des Klimaschutzes, der Verkehrssicherheit und des Gesundheitsschutzes belegbar so effektiv umzusetzen, sagt Ulrich Holefleisch aus der Grünen-Ratsfraktion.

Frage der Wirksamkeit

CDU und FDP sehen das ganz anders. Sie kritisieren eine „einseitige Schuldzuweisung an den motorisierten Kfz-Verkehr“. Auch viele Einwohner stoßen sich an dem Vorhaben und machen seit Wochen in Leserbriefen und Internetforen ihrem Ärger Luft. Einen vergangene Woche gestarteten Aufruf im Netz „Gegen Tempo 30 in Göttingen“ hatten bis Mittwoch 2.100 Menschen unterzeichnet, unter ihnen etwa 1.150 Göttinger.

Beim ADAC stößt die nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung ebenfalls auf Skepsis. Tempo 30 statt Tempo 50 bringe gar keine nennenswerte Lärmverringerung, sagt eine Sprecherin. „Das bestätigt jede Messung.“ Tempo 30 sei zwar in manchen Wohngebieten „aus Gründen der Verkehrssicherheit“ sinnvoll, „aber nicht auf Hauptstraßen“.

Nach einer Aufstellung des Umweltbundesamtes wurde das nächtliche Tempo-30-Limit bereits in gut 50 Städten Deutschlands eingeführt, meist begleitet von Protesten. Die beschränken sich nicht immer aufs Meckern. In Tübingen etwa demolierten mutmaßliche Raser frisch aufgestellte Tempo-30-Schilder.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de