Großkalibrige Waffen müssen für den Schießsport ganz verboten werden

Ein Register verhindert keine Morde

Man braucht keine Datenbank um zu wissen, dass es in Deutschland zu viele Waffen gibt. Doch dagegen macht die schwarz-gelbe Koalition nichts.

Kein Mensch weiß bislang, wie viele Pistolen und Gewehre die Deutschen ganz legal besitzen. Sieben Millionen, zehn Millionen oder sogar noch mehr? Es ist gut, dass durch das neue Nationale Waffenregister die Zahl nun bald ermittelt werden kann. Geradezu absurd ist es, dass bislang rund 550 einzelne Behörden die Daten zu Waffen und ihren Besitzern speichern. Niemand hat einen Gesamtüberblick. Hans-Peter Friedrich (CSU) will das Zentralregister nun noch schneller einführen, als es die EU ohnehin vorschreibt. Das ist nicht schlecht – aber nicht der große Erfolg, als den es der Bundesinnenminister nun verkaufen möchte.

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Denn man braucht keine zentrale Computerdatenbank, um zu wissen: Es gibt zu viele legale Schusswaffen in Deutschland – und dagegen unternehmen Friedrich und seine schwarz-gelbe Regierungskoalition nichts. Es mag hilfreich sein, dass Polizisten in Zukunft vor einem Einsatz nachschauen können, ob jemand legale Waffen zu Hause hat.

Dass mit den Waffen auch Menschen umgebracht werden, kann ein Register nicht verhindern. Deshalb muss das Ziel sein: keine legalen Schusswaffen in Privatbesitz. Denn illegale Waffen sind ein Problem, das groß genug ist. Man muss es potenziellen Todesschützen nicht auch noch leichter machen. Es geht gar nicht darum, pauschal alle Sportschützen zu verdächtigen. Aber jeder Amoklauf ist einer zu viel.

Sebastian Erb ist Redakteur im Inlandsressort der taz.

Eine Lagerung der Waffen direkt bei den Schützenvereinen ist freilich auch keine Lösung; die Waffendepots könnten Schießwütige zum Einbruch verleiten. Deshalb ist es der einzige vernünftige Schritt, zumindest die besonders gefährlichen großkalibrigen Waffen für den Schießsport ganz zu verbieten. Eine Verschärfung des Waffenrechts ist nicht nur nötig, sondern auch möglich. Das zeigt der Blick nach Großbritannien und Japan, wo der private Schusswaffenbesitz viel stärker eingeschränkt oder gar ganz verboten ist. Für diejenigen, die Schießen als Sport ausüben wollen, gibt es Alternativen: Luft- oder Laserwaffen.

Aber man braucht sich nichts vormachen: Zu einem Verbot wird es nicht kommen, nicht einmal zu weitreichenden Einschränkungen. Schon gar nicht, da nun die Bundestagswahl näher rückt. Mehr als 1,5 Millionen Sportschützen gibt es in Deutschland. Ihre Lobby ist schlicht zu groß.

 
19. 11. 2012

Studium der Sozialwissenschaften, danach Deutsche Journalistenschule in München. Redakteur der taz.am wochenende. Seit 2011 bei der taz, Stationen in den Ressorts Inland- und Berlin mit Themenschwerpunkt Zivilgesellschaft, Protest, Rechtsextremismus und innere Sicherheit. Regelmäßig ist er als Reporter auch im Ausland unterwegs, vor allem in Lateinamerika.

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