Kommentar von FRAUKE BÖGER
Adolf Sauerland versteht die Welt nicht mehr: Immer diese jungen Leute. Erst sterben sie in seiner Stadt, dabei sollten sie doch deren Image aufpolieren. Und jetzt stellen sie auch noch Dokumente ins Netz, die bei der Aufklärung der Katastrophe hilfreich sein können. Aber der Oberbürgermeister weiß sich zu helfen: Stur klebt er an seinem Amtssessel, redet in Interviews nur von seiner Not und beauftragt Anwälte, die besser funktionieren als seine Pressestelle.
Zu seinem Glück finden sich Landgerichte, die ebenfalls finden, dass es die Öffentlichkeit nichts angeht, wie die Stadt Duisburg die Loveparade und damit die Katastrophe vorbereitet hat und ganz im Sinne von Sauerland eine einstweilige Verfügung gegen die Blogger verhängt.
Nicht, dass Sauerland es je in Betracht gezogen hätte, aber der Moment für einen glaubhaften und wirkungsvollen Rücktritt ist längst verpasst. Was Sauerland aber trotzdem langsam begreifen müsste: Er steht im Weg: der Aufklärung, der Beruhigung und der Neuaufstellung der Stadt.
Er sollte endlich seine Geschäfte ruhen lassen und schon gar nicht mit einstweiligen Verfügungen gegen engagierte Bürger um sich schmeißen. Aber er bleibt seiner Strategie treu: Er schadet anderen Menschen, um sich zu profilieren. Für die Blogger ist ein gerichtliches Vorgehen ein finanzielles Fiasko, für den Oberbürgermeister nur ein weiterer Beweis seiner Macht.
Wer letztendlich Schuld ist an dem Tod von 21 Menschen, kann bislang niemand hundertprozentig sagen. Zu verstrickt sind die Vorgänge, zu undurchsichtig das Genehmigungsverfahren, zu widersprüchlich die Aussagen. Dass Blogger es sich zur Aufgabe machen, der Öffentlichkeit Informationen zur Verfügung zu stellen, ist erfreulich, in Zeiten von Wikileaks und Open Data aber keine große Überraschung. Wäre Realitätsverlust ein justiziables Vergehen, das Landgericht Köln würde sich mit Herrn Sauerland beschäftigen müssen.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
19.08.2010 16:17 | Feinfinger
Man stelle sich vor, mensch ist Bürger von Duisburg und geht zur Kommunalwahl. Da steht ein Mann oben auf dem Zettel, der ...
19.08.2010 13:54 | Wolfgang
Adolf wurde nie für seine Taten exkommuniziert.
19.08.2010 13:32 | Wolf-Dieter Fischer
@Marek ...