Facebook verliert Instagram-Fans

Genaue Zahlen unerwünscht

Statistiken zeigen einen starken Rückgang aktiver Nutzer bei Facebooks Bilderdienst Instagram. Damit ist es vorbei: Die Statistikfunktion wurde abgestellt.

Waren vor der AGB-Änderung noch täglich 39 Millionen Nutzer aktiv, sank der Wert kurzfristig auf 12,4 Millionen ab.  Bild: dapd

KÖLN taz | Es war ein PR-Desaster sondergleichen. Als der im Frühjahr von Facebook übernommene Bilderdienst Instagram im Dezember Änderungen seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen publizierte, hagelte es Negativschlagzeilen: „Instagram will Fotos der Nutzer verkaufen“ und ähnlich titelten viele Medien. Nutzer reagierten erwartungsgemäß empört.  

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Dass Instagram dies nie vorhatte, ist offensichtlich – die kommerzielle Nachfrage nach Fotos von Mittagessen und Straßenschildern mit Nostalgie-Filter hält sich doch sehr in Grenzen. Stattdessen sollte das Unternehmen die Foto-Plattform endlich mit Werbung ausstatten – schließlich hatte Facebook eine Milliarde Dollar in Aktien bezahlt. Obwohl dieser Preis durch den sinkenden Aktienkurs stark gesunken ist, ist der Druck enorm, endlich Einnahmen zu generieren.

Doch selbst nach Klarstellung scheinen sich viele Nutzer von Instagram abgewendet zu haben, wie die Statistik des Statistik-Portals AppStats zeigt: Waren vor der verhängnisvollen AGB-Änderung noch täglich 39 Millionen Nutzer aktiv, sank der Wert kurzfristig auf 12,4 Millionen. Der erste Rückschlag war jedoch nur temporär – am Folgetag waren fast wieder so viele Instagram-Nutzer aktiv wie zuvor. Doch seitdem schrumpfte die Zahl der aktiven Nutzer pro Tag wieder rapide: auf gerade einmal 17,6 Millionen Nutzer.

Hat Instagram deshalb die Hälfte seiner Nutzer verloren? Nein: Denn nur ein Schaubild weiter sieht man, dass die Zahl der monatlich aktiven Nutzer immer noch stark am Steigen ist: von 42 Millionen Nutzern Mitte Dezember auf knapp 49 Millionen Nutzer. Sie scheinen nicht mehr so aktiv zu sein, wenn man den Zahlen von AppStats traut. Gerade die am meisten begeisterten Instagram-Nutzer scheinen sich von der Plattform abgewendet oder ihre Aktivitäten zurückgeschraubt zu haben.

Starkes und stetiges Wachstum

Facebook selbst bestreitet gesunkene Nutzerzahlen: „Diese Angaben sind nicht korrekt. Wir sehen weiterhin starkes und stetiges Wachstum – sowohl bei registrierten als auch bei aktiven Nutzern von Instagram.“ Offen lässt das Unternehmen, ob dies auch auf die tägliche Aktivität bei Instagram zutrifft.

Dass sich Facebook von den Daten distanziert, ist überraschend: denn das Unternehmen hatte sie selbst geliefert, wie Sebastian Sujka, Chef des Berliner Betreibers von AppStats, versichert. Über eine Programmierschnittstelle konnte bisher quasi jedermann diese Daten abfragen.

„Theoretisch ist es zwar möglich, dass sich in die Daten Fehler eingeschlichen haben, aber ich halte das für unwahrscheinlich“, erklärt Sujka im Gespräch mit taz.de. AppStats gleicht die Statistiken von den Facebook-Servern mit anderen Datenquellen ab und hält sie für verlässlich. Dass ausgerechnet nur die Zahlen für Instagram nicht stimmen sollten, ist für ihn unerklärlich. 

Machte Facebook schon im Dezember keinen guten Job darin, die Ängste der Kundschaft vor einem Missbrauch ihrer Bilder zu zerstreuen, hat der Webkonzern auch bei diesem Kapitel kein besonders gutes Händchen. Statt die Diskussion um die sinkenden Nutzerzahlen mit besseren Daten zu korrigieren, stellte das Unternehmen am 9. Januar schlichtweg den öffentlichen Zugang zu den Nutzerzahlen von Facebook-Apps ab.

Eine grobe Einschätzung

Statt zumindest näherungsweise die Nutzerzahlen anzugeben, kommunizieren die Facebook-Server nur noch, welchen Rang eine App im Facebook-Katalog hat und geben eine grobe Einschätzung ab, wie viele Nutzer das Programm installiert haben.

Gründe für diese plötzliche Datenverschleierung liefert Facebook nicht. „Wir stellen über unsere API keine Nutzerdaten von Apps zur Verfügung, die Facebook gehören oder von Facebook entwickelt wurden“, erklärt ein Facebook-Sprecher. „Wir haben unsere API-Schnittstelle aktualisiert, damit dies auch für Instagram gilt. Dies entfernt Instagram aus den AppData Rankings.“

 

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