Gregor Gysi soll wohl alleiniger Spitzenkandidaten der Linkspartei bei der Bundestagswahl sei – ein Triumph für das Realo-Lager. Er selbst schweigt dazu.von Stefan Reinecke

Er ist und soll da oben bleiben: Gregor Gysi. Bild: dapd
BERLIN taz | Die Linkspartei wird offenbar mit Gregor Gysi als alleinigem Spitzenkandidaten in den Bundestagwahlkampf 2013 ziehen. Parteichef Bernd Riexinger hat zwar dementiert, dass bereits eine Entscheidung in diese Richtung gefallen ist. So gilt weiterhin die Sprachregelung, dass die Partei sich erst nach der Niedersachsen-Wahl am 20. Januar mit dieser Causa befassen wird.
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Aber seit Längerem ist klar, dass gegen Gysi in dieser Frage nichts geht. Der Fraktionschef selbst äußert sich nicht. Jan Korte, Bundestagsabgeordneter und Vertreter des pragmatischen Flügels, sagte dazu der taz: „Es ist klug, dass Gysi schweigt.“ Die Frage sei ohnehin überbewertet. „Wir brauchen neben Gysi ein Team von bekannten Politikern, die sich möglichst geräuscharm verständigen sollten“, so Korte.
Wer Spitzenkandidat der Linkspartei wird, ist vor allem Spiegel innerparteilicher Machtverhältnisse. Bei den Grünen ist die Spitzenkandidatur Indiz für die mögliche Verteilung von Ministerposten bei einer Regierungsbildung. Bei der Linkspartei ist dies aus naheliegenden Gründen wohl nicht der Fall.
Gysi versteht sich nach dem offenen Schlagabtausch mit Oskar Lafontaine beim Parteitag in Göttingen 2012 wieder stärker als Repräsentant des Ostens und weniger als Vermittler zwischen Pragmatikern und Linken. Viele West-Linke wollen hingegen Sahra Wagenknecht gerne als gleichberechtigte Spitzenkandidatin neben Gysi gekürt sehen. Wagenknecht gilt in den Westlandesverbänden neben Gysi als die einzige, die Säle füllt.
Doch Gysi ist auf Wagenknecht spätestens seit Herbst 2011 schlecht zu sprechen. Damals versucht Wagenknecht, im Hintergrund unterstützt von Oskar Lafontaine, mit Verve neben Gysi gleichberechtigte Chefin der Fraktion zu werden. Gysi sah darin einen unlauteren Versuch, das innerparteiliche Gleichgewicht zwischen Realos aus dem Osten und Linken aus dem Westen zugunsten Letzteren zu verschieben. „Falls Wagenknecht neben Gysi Spitzenkandidatin würde, wäre das eine Vorentscheidung, dass sie nun nach der Wahl auch Fraktionschefin wird“, so ein Vertreter des Ostflügels.
Für das Team um Gysi sind Parteichefin Katja Kipping, Sahra Wagenknecht, der Finanzpolitiker Dietmar Bartsch und der Rüstungsexperte Jan van Aken im Gespräch. Aus Gysis Umfeld heißt es, dass man sich nicht „von den Medien den Zeitplan diktieren“ lassen wolle. Die vorzeitige Nominierung von Peer Steinbrück seitens der SPD sei warnendes Beispiel.
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