Brand von Flüchtlingsheim in Bautzen

Jugendstrafen für Schaulustige

Zwei 21-Jährige wurden im Zusammmenhang mit dem Brandanschlag in Bautzen verurteilt: Sie erhielten Strafen von zweieinhalb bzw. drei Jahren.

ein ausgebrannter Dachstuhl

21. Februar 2016: der ausgebrannte Dachstuhl einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen Foto: dpa

BAUTZEN afp | Neun Monate nach dem Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Bautzen sind zwei der damaligen Schaulustigen zu Jugendstrafen verurteilt worden. Die beiden 21-Jährigen erhielten eine Jugendstrafe von zweieinhalb beziehungsweise drei Jahren, wie ein Sprecher des Amtsgerichts Bautzen am Montag sagte. Verurteilt wurden sie allerdings nicht nur wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte im Zusammenhang mit dem Brand.

In die Gesamtstrafen flossen vielmehr auch eine ganze Reihe davon unabhängiger Delikte wie Diebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung ein. Einer der Angeklagten stand zudem wegen einer früheren Jugendstrafe noch unter Bewährung. Insgesamt musste sich einer der Männer wegen 24 Delikten, der andere wegen elf Straftaten verantworten.

Nach Auffassung des Gerichts haben die Angeklagten die Löscharbeiten an dem Flüchtlingsheim nicht behindert, wie der Gerichtssprecher sagte. Allerdings widersetzten sie sich einem Platzverweis der Polizei, in dessen Folge es auch zu Rangeleien kam. Das Verfahren gegen einen ursprünglich dritten Angeklagten war abgetrennt worden, weil dieser zum Prozess nicht erschienen war. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen den Mann beantragt.

Das ehemalige Hotel in Bautzen, in das Flüchtlinge einziehen sollten, war im Februar in Brand gesteckt worden. Schaulustige zeigten laut Polizei damals „unverhohlene Freude“ und kommentierten das Feuer mit abfälligen Bemerkungen über Flüchtlinge. Dies sorgte bundesweit für Entsetzen. Die Brandstifter sind bisher unbekannt.

Bautzen war in den vergangenen Monaten wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Im März wurde Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch in der ostsächsischen Stadt ausgebuht und als „Volksverräter“ beschimpft. Zuletzt gab es in September gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Rechtsradikalen und Asylbewerbern. Die Flüchtlinge wurden von den Rechten teils durch die Stadt gejagt.

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