Nachhaltige und ökologische Geldanlagen

Mit gutem Gewissen investieren

Auch nach dem Fall Prokon gibt es attraktive Objekte und Anlageformen im Bereich der Ökoenergie. Eine Gebrauchsanweisung.

Wohl dem, der eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat. Bild: dpa

Wo fängt man an?

Wer ein eigenes Dach besitzt, ist fein raus: Die heimische Photovoltaikanlage ist nach wie vor eine attraktive Anlageform. Zwar wurden die Einspeisevergütungen für Solarstrom stark gekürzt, und mit jedem Monatswechsel sinken die Sätze für Neuanlagen weiter, doch über den Eigenverbrauch sind die Anlagen immer noch attraktiv. Jede Kilowattstunde, die man statt aus dem Netz vom eigenen Dach bezieht, bringt die Rendite.

Und wenn das Dach nicht nach Süden geht?

Kein Problem. Wenn nicht die maximale Einspeisung, sondern die maximale Eigenversorgung im Vordergrund steht, können Ost-West-Dächer sogar die interessanteren sein: Man kann von der frühen Morgensonne bis zum Sonnenuntergang die Einstrahlung optimal nutzen.

Daniel Suarez hat in seinen Science-Fiction-Romanen prophezeit, was heute alle wissen: Die Überwachung im Netz ist total. Der Autor und Hacker hat sich ein neues Internet ausgedacht. Wie das aussieht, erklärt er im Interview in der taz.am wochenende vom 18./19. Januar 2014 . Darin außerdem: Eine Hommage an den 100. Geburtstag von Arno Schmidt, eine Geschichte von einem traumatisierten Soldaten, der gegen die Geister des Krieges kämpft und eine Reportage über die Tram Linie 1 in Jerusalem, die die gespaltene Stadt dennoch verbindet. Am Kiosk, eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo.

Und wenn man kein Einfamilienhaus besitzt?

Auch im Geschosswohnungsbau kann man Strom vom Dach selbst nutzen. Technisch geht das problemlos, allerdings ist es formal komplizierter als auf dem Einfamilienhaus. Daher gilt hier: Berater konsultieren. Die Solarinitiative München zum Beispiel berät Interessenten zu diesem Thema. Wichtig: Die Eigentümergemeinschaft sollte frei von Querulanten sein.

Sind Wind- oder Solarfonds eine Alternative?

Die von Insolvenz bedrohte Windanlagen-Firma Prokon hat sich bei ihren Anlegern entschuldigt und erstmals eigene Fehler eingeräumt. „Wir bitten Sie ausdrücklich um Entschuldigung, wenn Sie sich durch unser Schreiben vom 10.01.2014 angegriffen oder gar bedroht gefühlt haben sollten“, heißt es in einem Schreiben des Geschäftsführenden Gesellschafters Carsten Rodbertus, das auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hatte am Vortag wegen dieses Schreibens eine einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt. Zudem teilte Prokon mit, die gekündigten Genussrechte seien möglicherweise nicht als fällige Forderungen gegen Prokon zu bewerten. Dann läge auch keine Insolvenz vor. (dpa)

Grundsätzlich ja. Solarfonds sind allerdings selten geworden, weil große Photovoltaikanlagen sich kaum noch rechnen. Windfonds hingegen gibt es weiterhin. In der Anfangszeit wurden einige Projekte auf Basis zu optimistischer Windprognosen kalkuliert, inzwischen jedoch lässt sich die Standortqualität präziser berechnen. Neben den Windverhältnissen unbedingt auf die Vertrauenswürdigkeit der Anbieter achten.

Woher bekommt man entsprechende Informationen?

Die erneuerbaren Energien haben den Charme, dass sie im ganzen Land auf die eine oder andere Art genutzt werden können. Das heißt: Egal wo man wohnt, es gibt immer Projekte im Umland. So hat man die Möglichkeit, die Initiatoren persönlich kennenzulernen und Vertrauen in das Projekt zu entwickeln.

Fazit: Lieber in regionale Projekte investieren als bei den bundesweiten Geldsammlern einzusteigen. Zumal man dann auch die Gesellschafterversammlungen besuchen kann. Ob das Ganze die Rechtsform einer GmbH & Co. KG oder einer Genossenschaft trägt, ist nicht so wichtig. Und übrigens: Tausende von engagierten Bürgern haben in Deutschland in den letzten Jahren selbst Gemeinschaftsprojekte realisiert – warum also nicht selbst aktiv werden?

Was ist mit Solar- und Windaktien?

Mit Aktien lässt sich viel Gewinn machen, aber auch viel Verlust – der richtige Zeitpunkt von Ein- und Ausstieg ist entscheidend, das ist auch bei Ökoaktien nicht anders. Daher muss, wer Aktien kauft, immer auch ein wenig Zockerblut in den Adern haben. Zumal man in Kauf nimmt, dass die eigene Vermögensentwicklung von globalen Märkten abhängt. Wer weniger komplexe Strukturen vorzieht, ist mit einem Bürgerwindpark besser bedient. Die Rendite basiert dann auf der schlichten Formel: Gute Technik, guter Standort, seriöse Leute. Wenn in den USA eine Immobilienblase platzt, hat das auf die Projekte keinen Einfluss – auf Aktienmärkte aber sehr wohl.

Wie ist das mit Firmenanleihen oder – wie bei Prokon – Genussrechten?

Auch diese sind nur für Leute, die Verluste verschmerzen können. Denn man leiht der betreffenden Firma Geld ohne formale Absicherung. Entsprechend hoch sind die Zinsen. Standardfrage sollte auch sein: Warum holt die Firma sich nicht billigeres Geld bei der Bank? Eventuell, weil sie dort keines mehr bekommt? Merke: 8 Prozent Rendite gibt es nicht ohne Risiko.

Kann man seine Anleihen rechtzeitig verkaufen?

Ja, sofern die Papiere börsennotiert sind. Zweifeln jedoch auch andere Marktakteure an der Bonität des emittierenden Unternehmens, fällt der Kurs der Anleihe und man bekommt nur noch einen Bruchteil der Einlage zurück. Und das ist keine Theorie: Anleihen, die an der Börse deutlich unter Ausgabewert notieren, gibt es zuhauf.

Sind Stromnetze ein attraktives Investment?

Auch hier gilt: Grundsätzlich schon. Doch das erste große Projekt dieser Art fand zu Recht nur wenige Interessenten: Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hatte lediglich eine Anleihe ausgegeben. Die Bürger erwarben eben gerade keine Beteiligung an einer Hochspannungsleitung, sie gaben Tennet lediglich einen Kredit – mit allen Ausfallrisiken.

Wie sieht eine gute Netzbeteiligung aus?

Auch hier gilt wieder: Am besten regional. Wenn möglich, kauft man sich in den regionalen Netzbetreiber ein. Solche Optionen sind derzeit noch selten, aber vielleicht werden es in Zukunft mehr. Übrigens: Immer, wenn ein Konzessionsvertrag in einer Gemeinde ausläuft, besteht die Möglichkeit, das Netz in Bürgerhand zu bringen.

Ein schönes Beispiel dafür ist die Energieversorgung Titisee-Neustadt im Hochschwarzwald, die zu zehn Prozent einer Bürgerenergiegenossenschaft gehört. Die Anleger besitzen einen Teil ihres Stadtwerks und damit des heimischen Netzes. Als Ortsansässige kennen sie das Unternehmen und die Akteure. Und das ist das Wichtigste – Geldanlage hat immer mit Vertrauen zu tun.

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