taz-Shirts für Solidarität

No victims for fashion

Das Berliner Label dna merch will mit Druck von unten die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie verändern – und schöne T-Shirts anbieten. Die taz macht natürlich mit.

Das Motiv des taz T-Shirts, welches durch dna merch gefertigt wird Bild: taz

von DONATA KÜNßBERG

Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie können mörderisch sein. Das junge Berliner Label dna merch will mit Druck von unten die Umstände verändern – und schöne T-Shirts anbieten.

Als Fashion Victim, also als Modeopfer, gilt ein Mensch, der dem Diktat von Trends folgt und sich deshalb hedonistisch dem Konsum hingibt. Dass die Textilindustrie unterdessen ganz reale Opfer fordert, nämlich die in der Produktion Beschäftigten, ist eine traurige Realität, die es zu verändern gilt.

„No victims for fashion“, brüllt der Panter vom T-Shirt, mit dem sich die taz an der aktuellen Kampagne von dna merch beteiligt. Das junge Berliner Label hat sich zur Aufgabe gesetzt, alternative und demokratische Arbeitsformen zu stärken; sie setzen auf transparente Produktionswege und Zusammenarbeit mit gewerkschaftlich organisierten und genossenschaftlich geführten Betrieben.

Ab dem 21. April 2019 kann jede*r dabei sein und mit dem Kauf eines T-Shirts die Idee unterstützen.

Der Kopf des Panters auf dem taz-Shirt besteht bei näherem Hinsehen aus vielen kleinen Venus- und Mars-Symbolen – sie repräsentieren die Arbeiter*innen, die unsere Kleidung weben, nähen, färben und bedrucken. Das Motiv wurde von der taz-Grafikerin Claudia Pfeiffer entworfen.

In der Modebranche sind intransparente Produktionsketten an der Tagesordnung, die überwiegend weiblichen Beschäftigten und ihr Arbeitsalltag sind weit weg, wenn im Konsumtempel die neue Kollektion ausgestellt wird. Bei diesem T-Shirt ist das anders. Das „No victims for fashion“ wurde genäht von Tea, Sanja, Snježana oder einer der sieben weiteren Kollektivistas. Sie arbeiten bei Humana Nova in Kroatien.

2014 entdeckten Doreen und Anton von dna merch den Betrieb, nachdem sie zuvor in Nicaragua, Thailand und der Türkei nach Kooperationspartnern für eine faire Produktion gesucht hatten. Seitdem ist eine fruchtbare Zusammenarbeit entstanden: 17.000 T-Shirts wurden genäht, Humana Nova konnte in neue Räume umziehen, der nächste Schritt wäre ein weiterer Arbeitsplatz – Anwärter*innen gibt es viele.

Die Arbeitslosigkeit in Kroatien ist mit 12,7 % die dritthöchste in der EU, und Humana Nova bietet nicht nur ein Einkommen, sondern Arbeit auf Basis von Respekt und gemeinsamer Zustimmung. Jedes verkaufte T-Shirt wird mit einer Postkarte ausgeliefert, auf der die Näherinnen zu sehen sind: „We made your t-shirt :)“ steht darauf. Gleich nebenan liegt übrigens auch die Druckerei, die die frisch genähten Shirts bedruckt.

Die Bio-Baumwolle, aus der die Kleidung hergestellt wird, stammt aus Indien. Um auch dort basisgewerkschaftliche Organisation zu unterstützen, fließt ein Teil der Einnahmen von dna merch zurück ins Produktionsland. Genauer gesagt erhält das gewerkschaftliche Exchains-Netzwerk Mittel, aus denen perspektivisch ein*e Vollzeit-Aktivist*in bezahlt werden soll.

Anton von dna merch sagt dazu: „Wir wollen uns nicht auf der kleinen Fair-Trade-Insel ausruhen, sondern Bekleidungsarbeiter*innen in Südasien bei ihren Kämpfen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen unterstützen.“ Man muss sich bewusst machen, dass die Arbeiter*innenrechte, die in Deutschland gelten, auch nur auf Grund des Kampfes der Arbeiter*innen zustande gekommen sind.

Das Shirt von dna merch für die taz

Als die taz sich 2016 zum ersten Mal an einer Solidaritäts-Shirt-Kampagne von dna merch beteiligte, landete das Panter-Motiv mit 360 Bestellungen mit großem Abstand auf dem ersten Platz und sorgte für fast 40 Prozent des gesamten Umsatzes in Höhe von 27.500 Euro. Am Ende kamen mehr als 2.000 Euro für das ExChains-Netzwerk und die basisgewerkschaftliche Arbeit in Südasien zusammen. Und auch die Näherei konnte mit dem gleichen Betrag zusätzlich unterstützt werden und investierte das Geld in neue Maschinen.

Dieses Mal gehen nun alle Überschüsse aus der Kampagne nach Bangladesch. Das dortige Mitglied des ExChains-Netzwerks, die NGWF, ist besonders stark von den aktuellen Angriffen auf sich organisierende und höhere Löhne fordernde Bekleidungsarbeiter*innen betroffen. Es handelt sich um die größte Repressionswelle seit vielen Jahren und es wird dringend Geld für Anwalts- und Gerichtskosten benötigt.

Vom 21. April bis zum 04. Juni 2019 können die limitierten Shirts über die Crowdfunding-Plattform Startnext bestellt werden. Ein bisschen Geduld ist jedoch nötig – Tea, Sanja, Snježana und ihre Kolleginnen müssen das T-Shirt erst noch nähen.