Kommentar von Michael Braun

So nett wie bei der Amtsübergabe 2011 ist es nicht mehr. Berlusconi betreibt aggressiven Wahlkampf. Bild: dpa
Ein Resultat der nächsten italienischen Wahlen steht jetzt schon fest: Ein neues „governo tecnico“, eine Regierung der Experten, wie jetzt unter Mario Monti, wird das Land danach nicht mehr sehen. Die Berlusconi-Rechte, die Monti bisher mittrug, erklärte ihn nun zum Hauptgegner – und Monti griff mit seiner Rücktrittsankündigung diesen Fehdehandschuh umgehend auf.
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Schon damit mutiert „Supermario“ vom überparteilichen Experten zum Politiker, und es darf als wahrscheinlich gelten, dass er nun zum aktiven Part auch der italienischen Parteienpolitik wird. Silvio Berlusconi versucht jetzt noch einmal, seine Bataillone zu sammeln, für einen aggressiven Wahlkampf mit wilden Versprechungen. Gegen dieses Vorhaben hatte sich schon in den letzten Monaten eine gemäßigte, proeuropäische Rechte formiert.
Einerseits um die kleine christdemokratische UDC, andererseits um die von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo angeführte Sammlungsbewegung „Der Dritten Republik entgegen“. Doch dieses Vorhaben hat bislang ein gravierendes Problem: Eine populäre Leitfigur fehlt. Bloß zehn Prozent werden einer gemäßigten Mitte-rechts-Liste derzeit zugetraut.

ist seit dem Jahr 2000 Italienkorrespondent der taz und lebt in Rom.
Foto: Christian Jungeblodt
Mario Monti als Anführer käme da wie gerufen. Er ist weiterhin überraschend populär; nicht ihm, sondern seinen Vorgängern lasten viele Wähler die Rezession an. Unter Montis Führung könnte Italien zum ersten Mal seit Berlusconis Einstieg in die Politik eine offene Konfrontation zwischen zwei unvereinbaren Entwürfen rechter Politik erleben: zwischen offenem Populismus einerseits, einem proeuropäischen, liberal-konservativen Kurs andererseits.
Doch Montis Strahlkraft sollte nicht überschätzt werden. Italiens rechte Wähler sind mehrheitlich populistisch gestimmt. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Monti-Liste zum Zünglein an der Waage avancierte –und Berlusconi so auf die Oppositionsbänke verbannt würde.
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Leserkommentare
10.12.2012 16:48 | Ulli Müller
Die Berlusconis sind doch nicht das europäische Problem, ...