Kolumne Press-Schlag

Endlich ist alles in Ordnung

Bayern wird ja eh Meister. Aber in dieser Saison klärt sich noch mehr: Eine ewige Rangordnung des deutschen Fußballs ist entstanden.

Philipp Lahm hält auf dem Rathaus-Balkon in München bei der Meisterfeier des FC Bayern 2010 die Meisterschale hoch

Bayerns Meisterfeier 2010. Es völlig in Ordnung, dass der Verein auch in diesem, im nächsten, im übernächsten und im überübernächsten Jahr Meister wird Foto: dpa

Wer Augen hat, der mag nach dem 22. Spieltag von einer Überraschungsmannschaft RB Leipzig nicht mehr sprechen. Das Team, das ja auch keinesfalls überraschend in die Erste Liga aufgestiegen ist, spielt so souverän, wie man es von einem Cham­pions­ligisten erwarten kann. Bei dem Geld, das in den Verein gepumpt wurde, wäre es ja auch eine Überraschung, wenn RB nicht oben mitspielte. Ein Konzern wie Red Bull erwartet genauso Planungssicherheit wie etwa der langjährige Marktführer Bayern München.

Soll heißen: In Anbetracht der ökonomischen Bedeutung der Bundesliga ist es völlig in Ordnung, dass der FC Bayern München in diesem, im nächsten, im übernächsten und im übernächsten Jahr Meister wird. Genauso ist es in der neuen Fußballordnung vorgesehen, dass RB Leipzig dauerhaft Nummer zwei ist, mithin ewiger Cham­pions-League-Teilnehmer.

Die neue Fußballordnung vergibt ihre Platzmarken. Das mag mitunter schmerzen, wenn etwa Ingolstadt und Darmstadt mitgeteilt bekommen, dass für sie erst mal kein Platz in der Liga ist, in der das große Geld verdient wird. Das mag aber auch beruhigend sein, wenn der Hamburger SV etwa – wie an diesem Spieltag geschehen – erklärt bekommt, dass er in dieser Saison und in den kommenden Jahren dahin gehört, wo er zuletzt schon so gerne war: auf dem Relegationsrang.

Das ist ökonomisch vernünftig, bedeutet es für den HSV doch eine sichere Mehreinnahme, die jetzt schon in die Planung für die kommende Saisonkalkulation aufgenommen werden kann. Selbstverständlich wird für die Erste Liga geplant, denn – auch das eine Lehre der vergangenen Jahre – Relegation gewinnen, das kann man in Hamburg.

Abbild des Konkurrenzkapitalismus

In früheren Zeiten, als die Bundesliga noch so etwas wie ein Abbild des Konkurrenzkapitalismus war, stritten sich einige Vereine, zum Teil mit potenten Geldgebern wie VW oder Bayer oder Gazprom im Rücken, um das Recht, Nummer zwei der Fußballbranche sein zu dürfen. Diese Auseinandersetzungen, die gerade bei börsennotierten Vereinen zu heftigen Kursschwankungen führen konnten, sind zum Glück vorbei. Borussia Dortmund ist auf Platz drei und wird dort bleiben: heute, morgen und in ein paar Jahren.

Dass mit der Etablierung dieser neuen Fußballordnung jede Spannung verloren ginge, wie Kritiker vorschnell behaupten, kann man wirklich nicht behaupten. Wer etwa hätte vor diesem Spieltag ein 8:0 für die Bayern über den HSV prognostiziert? Bekanntlich schwankten die Vorhersagen zwischen 7:0 und 9:0. Der Fußball bleibt also doch der Fußball.

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Jahrgang 1964, Mitarbeiter des taz-Sports schon seit 1989, beschäftigt sich vor allem mit Fußball, Boxen, Sportpolitik, -soziologie und -geschichte

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