Internationaler Tag der Jogginghose

Hauptstadt der Jogginghose

Noch nie von diesem – nun ja: Gedenktag gehört? Macht nichts. Kommt noch: Denn jeder Tag ist ein Jogginghosen-Tag. Gerade in Berlin!

Der Designer Kilian Kerner geht mit Jogginghose bekleidet nach seiner Show über den Laufsteg

Fashion Week in Berlin: Designer Kilian Kerner geht nach seiner Show im E-Werk zwischen den Models über den Laufsteg – natürlich in Jogginghose Foto: picture alliance/Britta Pedersen/ZB/dpa

Okay, einmal noch zitieren wir Berlins ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin (noch immer in der SPD), der schon 2002 in einem Zeitungsinterview gesagt hat: „Nirgendwo schlurfen so viele Menschen in Trainingsanzügen durch die Straßen wie in Berlin.“ Um ehrlich zu sein: Auch ein Sarrazin kann mal recht haben. Berlin kann als Hauptstadt der Jogginghose gelten – und nicht nur am Internationalen Tag der Jogginghose, der am Montag im Kalender stand.

Noch nie von diesem Tag gehört? Könnte daran liegen, dass es diesen erst seit Kurzem gibt. Er wurde nicht mal von der Textilindustrie erfunden, wenn man die Mär glaubt: Angeblich nahm die Chose an einem 21. Januar vor zehn Jahren an einem Gymnasium in Graz (Österreich) seinen Anfang. Angestiftet von vier Jungen, war 2009 eine komplette Schulklasse in Jogginghosen zum Unterricht erschienen. Seitdem gilt der 21. Januar als Jogginghosen-Tag.

Erst mal ein Versprechen: Kalauer wie „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ (Überschrift bei Spiegel Online) oder „Feiertag der Bequemlichkeit“ (Märkische Allgemeine) werden Sie hier bei uns nicht lesen. Und auch nicht, was wohl Karl Lagerfeld, erklärter Feind der Jogginghose, zu dem Tag sagen würde.

Sie hat sich über die Jahre hinweg und gewissermaßen aus eigener Kraft von einem Stiefkind der gemeinen, vermeintlich proletarischen Straßenklamotte zu einem ernst zu nehmenden Kleidungsstück der Hipster und Kreativen gemausert. Kein Wunder, denn Sport, Büro und Alltag vermischen sich immer mehr. Wobei „Sport“ bei den meisten Trägern von Jogginghosen nicht im Vordergrund stehen dürfte. Eher Coolness.

Trainingsanzüge aus DDR-Armeebeständen

Es handelt sich dabei entweder um übergroße Modelle groben oder feineren Materials (je nach Stadtbezirk) oder enger geschnittene Modelle aus den 70er Jahren, Vintage genannt. Der alte Spruch, man müsse seine Klamotten nur lange genug im Schrank liegen lassen, auf dass sie eines Tages wieder modern werden würden – stimmt total! Die alten Sachen lassen sich aber auch kaufen (echt alt oder neu aufgelegt). Ganz heißer Scheiß: Trainingsanzüge aus DDR-Armeebeständen.

Logo, auch die Fashion Week, die am Wochenende zu Ende ging, widmete sich dem Thema. Designer wie Kilian Kerner aus Berlin interpretieren sie neu und machen daraus hippe Mode. Und Rapper wie Kanye West und Models wie Pamela Reif tragen zum Hype bei. Die Farben werden bunter, Grau ist weitesgehend out, und die Materialien edler und schillernder, die Höschen teurer: Bei Dior kostet die Trainingshose aus Kaschmir fast 2.000 Euro.

Können wir uns in der taz aber leider nicht leisten: Nächstes Jahr werden wir in der Berlin-Redaktion in unseren ganz alltäglichen Lieblingsjogginghosen erscheinen – versprochen!

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„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

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