Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann

Der Wahnsinn liegt in der Steuerakte

Ex-Nationaltorhüter Lehmann soll laut Zeitungsbericht einen sechsstelligen Betrag an Steuern hinterzogen haben. Er sieht das anders.

Jens Lehmann

Plausch mit Merkel über Steuergesetze: Jens Lehmann Foto: dpa

BERLIN taz | Seine Autobiografie trägt den Titel „Der Wahnsinn liegt auf dem Platz“. Und wer sich dieses Werk etwas genauer anschaut, wird merken, der Wahnsinn reicht auch schnell darüber hinaus. Jens Lehmann, der frühere deutsche Fußball-Nationaltorhüter, bekennt etwa in seinem Buch, er sei trotz seiner Millionengehälter nicht reich. Demut würde man als Fußballer lernen, wenn man sich das Leben der Scheichs im Nahen Osten anschauen würde. Um es mit dem CDU-Politiker Friedrich Merz zu sagen: Lehmann gehört glasklar der oberen Mittelschicht an. Er selbst würde sich vermutlich zum Prekariat der Millionäre zählen.

Es ist ein Selbstverständnis, das einen wohl unvermeidlich zum Sparfuchs werden lässt. Etwas muss von dem teuer verdienten Geld ja übrig bleiben. Demut in zu hohem Maße kann schließlich zur Pein werden. Wie Recherchen der Zeitung Handelsblatt aufdeckten, hat die Steuerfahndung im Jahr 2016 errechnet, dass der heutige TV-Experte 934.837 Euro an Steuern hinterzogen hat. Die prüfende Staatsanwaltschaft korrigierte die Zahl etwas nach unten, und weil Lehmann den Betrag samt Strafgebühren sofort beglich, wurde das Verfahren eingestellt. Aufgeflogen war die ganze Geschichte, weil das Hauptzollamt ein an Lehmann adressiertes Paket mit Kontounterlagen aus der Schweiz öffnete.

„Ich habe niemals Steuern hinterzogen“, donnerte Lehmann, die jahrelange Nummer zwei hinter Bayernkeeper Olli Kahn, auf Twitter. Mit allen juristischen Mitteln werde er gegen das Handelsblatt vorgehen. Dass Lehmann juristisch unschuldig ist, hat die Wirtschaftszeitung nach ihrer aufwendigen jahrelangen Recherche aber nicht verschwiegen. Lehmann empört vor allem, dass aus der 117 Seiten langen Akte der Steuerfahndung zitiert wird. Dies verstoße gegen das Steuergeheimnis.

Geldfragen haben den heute 49-Jährigen schon früh bewegt. Während seiner Zeit als Profi studierte er nebenbei ein paar Semester Betriebswirtschaftslehre. Und im Film „Sommermärchen“ von Sönke Wortmann über die DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland fällt Jens Lehmann beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Teamhotel als echter Nerd auf. Er plädierte für eine andere Steuergesetzgebung und diskutierte mit Merkel über das Kindergeld.

Jens Lehmann auf Twitter

„Ich habe niemals Steuern hinterzogen“

Laut Steuerfahnder soll Lehmann fünf Jahre lang das Kindergeld doppelt bezogen haben. Hinzu kommen die Gründung von dubiosen Gesellschaften auf der Kanalinsel Jersey und der Vorwurf, einen Wohnsitz in Deutschland verschleiert zu haben.

Vermutlich sind die Steuerunterlagen von Jens Lehmann so schwer zu durchschauen wie er selbst. Die Süddeutsche Zeitung titelte einst „Dr. Lehmann und Mr. Jens“, um seine Widersprüchlichkeit einzufangen. Immer wieder fiel er durch Aussetzer auf dem und neben dem Platz auf. Einem kritisierenden Fan zog er etwa einst die Brille von der Nase. Ein Satz von Lehmann hat an Aktualität nichts eingebüßt: „Ich muss an meiner Außendarstellung arbeiten.“

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