Die Preise für fossilen und Ökostrom steigen weiter. Heute erhöhen Lichtblick und Naturstrom die Tarife, Greenpeace und Hamburg Energie taten das am Freitag. Auch der Atom- und Kohlekonzern Vattenfall langt zu.von Sven-Michael Veit

Die Interessen der Verbraucher werden nicht berücksichtigt - und der Strom wird immer teurer. Bild: dpa
HAMBURG taz | Heute wird der Hamburger Ökostromproduzent Lichtblick seine Strompreise um etwa zwölf Prozent zum 1. Januar 2013 erhöhen. Das Unternehmen mit etwa 75.000 Kunden in der Metropolregion Hamburg und etwa 530.000 bundesweit ist der größte deutsche Ökostromer. Der Strom selbst mache nur noch knapp ein Viertel des Preises aus, rechnet Pressesprecher Ralph Kampwirth vor, „etwa drei Viertel sind externe Kosten“.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Dazu zählen Netznutzungsentgelte, Konzessionsabgabe, Strom- und Mehrwertsteuer, die Ökostromumlage und nicht zuletzt die Industrieumlage zur Entlastung besonders energieintensiver Unternehmen. Allein diese, mit der Privatkunden Großverbraucher wie Aluminiumhütten oder Autobauer, aber auch Golfplätze oder Skihallen subventionieren, beträgt etwa 0,35 Cent pro Kilowattstunde (kWh).
Auch Kunden von Greenpeace Energy müssen im kommenden Jahr deutlich mehr als bislang bezahlen. Der Preis pro Kilowattstunde erhöhe sich um 2,4 Cent auf 27,2 Cent, teilte die Hamburger Energie-Genossenschaft mit. Dies entspreche einem Anstieg von knapp zehn Prozent. Bei einem Verbrauch von 2.500 Kilowattstunden werde ein durchschnittlicher Haushalt jährlich 60 Euro mehr ausgeben müssen, sagte Unternehmenssprecher Henrik Düker.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde 2000 von der rot-grünen Bundesregierung eingeführt. Es legt die Förderung für die Produktion von Strom aus einer erneuerbaren Quelle wie Wind, Sonne, Erdwärme oder Biomasse fest, um den Ökostrom wettbewerbsfähig zu machen.
Betrag: Die Höhe dieser Förderung heißt Einspeisevergütung. Sie wird von den Netzbetreibern jährlich neu festgesetzt.
Umlage: Der Stromkunde zahlt den Unterschiedsbetrag zwischen Einspeisevergütung und Marktpreis. Diese pro Kilowattstunde erhobene Umlage wird mit der Stromrechnung kassiert.
Steigerung: Die Umlage wurde Mitte Oktober mit Wirkung zum nächsten Jahr von 3,59 auf 5,27 Cent pro Kilowattstunde erhöht, also um 1,68 Cent.
Der dritte große deutsche Grünstromproduzent, die Düsseldorfer Naturstrom, wird ebenfalls heute verkünden, seine Preise um gut zehn Prozent oder 2,35 Cent auf 25,75 Cent/kWh zu erhöhen. Und auch die städtische Hamburg Energie erhöht die Tarife um knapp drei Cent auf 24,8 Cent. Alle erklären, dass die gestiegene EEG-Umlage und Erhöhungen bei den Netzentgelten die Hauptgründe für die Preiserhöhung seien.
Der größte Stromversorger im Norden, Vattenfall, erhöht zum 1. Januar 2013 den Preis für eine Kilowattstunde in jedem der drei angebotenen Tarife um 3,47 Cent. Das entspricht einem Anstieg von sogar 12,9 Prozent. Der Anstieg sei vor allem auf die höheren Steuern und Abgaben für die Energiewende zurückzuführen. „Von den fast 3,5 Cent Erhöhung sind drei Cent energiewendebedingt“, sagt Unternehmens-Sprecher Hannes Hönemann.
Das sei im Prinzip richtig, sagt Detlef Palm, Geschäftsführer Nord des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), in dem sämtliche Stadtwerke zusammengeschlossen sind. Die Stadtwerke müssten die gestiegenen Einkaufspreise für Strom weitergeben, sagt Palm, weil sie zumeist „nur Verteiler sind, die nicht selbst in großem Umfang Strom produzieren“. Die Energiekonzerne hingegen würden „ausreizen, was der Verbraucher so mit sich machen lässt“.
Der VKU-Bundesverband in Berlin geht davon davon aus, dass nahezu alle seiner rund 1.400 Mitgliedsunternehmen „an einer Erhöhung in 2013 nicht vorbeikommen werden“, sagt Sprecher Stefan Luig. Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien sei dennoch richtig, jedoch müssten die Interessen der Verbraucher an bezahlbarem Strom stärker berücksichtigt werden.
Und das gehe am besten durch den Wechsel zu einem Anbieter von grünem Strom, rät die Verbraucherzentrale Hamburg. Denn die großen Energiekonzerne gewinnen oder beziehen zwar auch Strom aus Wasser und Wind, bauen aber zugleich die Kohle- und teilweise im Ausland sogar die Atomstromproduktion aus. Auch wer den Ökostrom-Tarif eines Konzerns wie Vattenfall wähle, stärke Kohle und Atom.
Deshalb sollten sich private Haushalte an Gütesiegeln wie „OK Power Label“ und „Grüner Strom Label“ orientieren, rät die Verbraucherzentrale, um den Markt für Ökostrom weiter zu stärken.
Zur Gartenschau in Wilhelmsburg kommen weniger Menschen als erwartet. Das könnte die Finanzierung gefährden. Sozialverband findet Preise zu hoch.

Vor einem Jahr wollte die Sozialsenatorin das Bremer Sozialamt in ihre Behörde „eingliedern“. Es hagelte Proteste. Nun rudert sie klammheimlich zurück. von Klaus Wolschner

Was früher im Container landete, findet eine Heimat im Hamburger Oberhafen: In der „Hanseatischen Materialverwaltung“ können Künstler, Schulen, Filmproduktionen künftig gebrauchte Requisiten ausleihen. Mit etwas Glück sogar umsonst.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
22.11.2012 12:40 | Sven Oehm
Spannende Doku zu Energie und Energiepreisen, mit interessantem Konzept (open source Film): ...
19.11.2012 21:55 | Kevin R.
Der Vollständigkeit halber: Der vierte bundesweite Ökostromanbieter Elektrizitätswerke Schönau (EWS) erhöht um 2,85 Cent pr ...