das portrait

Daniela Reimist ein Sicherheitsrisiko für Großschlachter

Setzt sich für Mitarbeiter im Schlachthof ein: Daniela Reim Foto: Arbeit und Leben

Dass der Schlachthof tatsächlich die Polizei eingeschaltet hat, kam für Daniela Reim überraschend. Die Mitarbeiterin der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte stand schon oft vor den Gebäuden von Vion in Emstek im Landkreis Cloppenburg und hat Flyer an die vor allem rumänischen Werkvertragsarbeiter verteilt. Beim letzten Mal, am 27. Dezember hat Vion erstmalig eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen sie gestellt. Reim vermutet, das habe damit zu tun, dass sie Informationen über die Krankheit Tuberkulose verteilt hat.

Im Dezember war bekannt geworden, dass ein Mitarbeiter des Schlachthofs an Tuberkulose gestorben und weitere Kollegen erkrankt waren. Reim sagt, dass Arbeiter sie kontaktiert und ihr berichtet hätten, der Schlachthof habe sie nicht über die Krankheit informiert. „Sie wussten gar nicht, was genau Tuberkulose ist“, sagt Reim. Also habe sie die Initiative ergriffen und sei mit ihren Flugblättern auf den Parkplatz des Schlachthofs gefahren.

Vion widerspricht Reims Darstellung. Nachdem die Krankheitsfälle bekannt geworden seien, habe es „Top-Priorität“ gehabt, die Mitarbeiter zu informieren, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Informationen seien in verschiedenen Sprachen verbreitet worden. Dass Vion Reim vom Gelände warf, habe nichts mit dem Inhalt der Flugblätter zu tun gehabt, sondern „mit Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen“.

Reim ist selbst in Rumänien geboren, hat dort Geschichte studiert. Nachdem sie vor 19 Jahren nach Deutschland gekommen ist, erlebte sie selbst die Schwierigkeiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Behörden erkannten ihren Abschluss nicht an. Die Arbeit als Beraterin sieht sie als Chance, anderen zu helfen. „Die Arbeiter sind oft gar nicht darüber aufgeklärt, welche Rechte sie haben.“

Die vom Land finanzierte Beratungsstelle fährt Betriebe an, die Werkvertragsarbeiter beschäftigen. „Wir sind fast täglich unterwegs“, sagt Reim. Von der Anzeige, die sie „unverschämt“ nennt, will sie sich nicht einschüchtern lassen. „Ich werde das ignorieren.“ Andrea Maestro