Esther Slevogt
betrachtet das Treiben
auf Berlins Bühnen

Die Konferenz zur Gender(un)gerechtigkeit im Theaterbetrieb „Burning Issues“ versammelte im vergangenen Jahr im Theater Bonn zum ersten Mal Frauen aus dem deutschsprachigen Thea­ter­betrieb. Diskutiert wurde über Chancenungleichheit von Frauen im Theater, strukturellen Sexismus, Machtasymmetrien im Alltag und starre Rollenbilder, in denen Frauen in der Regel Opfer und Männer in der Regel Helden sind. Die nächste Ausgabe der Konferenz findet vom 17. bis 19. 5. nun im Rahmen des Theatertreffens statt. Im Vorfeld hat die Bestenschau des deutschsprachigen Theaters probeweise für zwei Jahre eine 50-Prozent-Frauenquote eingeführt: ab 2020 müssen also 50 Prozent der eingeladenen Inszenierungen von Frauen stammen. Vielleicht werden durch die Quote Theaterleitungen angeregt, in Zukunft mehr Frauen auf der großen Bühne inszenieren zu lassen, weil das nämlich die Chancen verbessert, zum Theatertreffen eingeladen zu werden. In der Spielzeit 2017/18 lag zum Beispiel der Anteil der Regisseurinnen, die auf der großen Bühne im Schauspiel Frankfurt/Main inszenieren konnten, bei null Prozent. Das hat die Chefredakteurin des Theaterportals nachtkritik.de, Anne Peter, für einen großen Report zur Geschlechtergerechtigkeit im Theater recherchiert (Berliner Festspiele: „Burning Issues Meets Theatertreffen“, www.berlinerfestspiele.de).

Gerechtigkeit und Selbstbestimmung ist auch für junge Menschen ein großes Thema. Davon handelt das Stück „Geschichten aus dem Bauwagen“ der 1982 geboren Dramatikerin Maria Milisavljević, das am 21. Mai in der Inszenierung von Inda Buschmann im Theater an der Parkaue herauskommt. Der Bauwagen, der im Zentrum des Stücks steht, ist Zufluchtsort für Jugendliche, die anders sind, Sorgen und Probleme haben: ein geschützter Ort zum Nachdenken, Reden und frei sein. Und er steht auch wirklich da, am Theater (Theater an der Parkaue, ab 21. 5., 18 Uhr).

Als Inbegriff der selbstbestimmten Frau könnte man die Schauspielerin Sophie Rois bezeichnen. Am 18. Mai ist sie im Schloß Neuhardenberg (etwa anderthalb Autostunden von Berlin entfernt) mit einem besonderen Programm zu erleben: Begleitet von der höchst eigenen Musikformation „Brot & Sterne“ spielt und spricht sie einen ergreifenden wie abgründigen Text der österreichischen Dichterin Christine Lavant (1915–1973) „Das Wechselbälgchen“. Und damit wäre auch die Theatersommerfische eröffnet: Theater draußen und nicht unbedingt in Berlin (Schloß Neuhardenberg, „Das Wechselbälgchen“, 18. 5., 19 Uhr. Alle Infos: www.schlossneuhardenberg.de).