Kolumne Liebeserklärung

Der immer lustige Edmund Stoiber

Und wieder hat er einen rausgehauen, der alte Transrapid-Edi. Die zugezogenen Preußen, so sagt er, seien schuld an der geschwächten CSU.

Edmund Stoiber schiebt einen Vorhang zur Seite

Wird für Fragen immer wieder hinter seinem Vorhang hervorgelockt: Edmund Stoiber Foto: ap

Der Opa kann es nicht lassen. Man fragt ihn eben auch gerne, weil er immer für einen Lacher gut ist. Dabei meint er es ernst. Er will gar nicht komisch sein. Er wird wissen, dass man über ihn lacht, aber es scheint ihm nichts auszumachen. Er genießt es, dass man ihn immer noch fragt, wenn es um Bayern geht, die CSU, den FC Bayern oder die durchrasste Gesellschaft. Auch wenn er irgendwie von gestern ist – der Stoiber-Edmund gehört einfach dazu.

Schließlich war er mal wer. Ministerpräsident mit einer Partei hinter sich, die im Landtag eine Zweidrittelmehrheit hatte. Die Leute haben ihn gemocht. Um ein Haar wäre er sogar Bundeskanzler geworden. Aber am Ende gab es außer ihm selbst keinen anderen, der ihn zum Wahlsieger erklären wollte. Darüber haben dann alle wieder gelacht.

Jetzt haben auch wieder alle lachen müssen. „Es ist natürlich immer die Frage: Wie viele können wir dann wirklich zur Stimmabgabe zwingen, äh, bringen? Nicht zwingen“, hat er gesagt. Wenn er einen guten Tag hat, ist er heute noch für eine Transrapid-Rede gut, auch wenn er das vielleicht nicht wirklich will.

Und dann hat er ja noch das mit den Zugezogenen gesagt, dass nämlich diejenigen, die aus anderen Teilen Deutschlands nach Bayern ziehen, nicht wissen, dass das Land so stark ist, weil es die CSU so stark gemacht hat. Irgendwas muss er ja sagen, wenn er nach etwas gefragt wird, wofür er eigentlich keine Erklärung hat – den Absturz der CSU.

Bayerische Fingerzeigerei

Er hat also wieder einen rausgehauen. Für Markus Söder ist Horst Seehofer an allem schuld, für den Seehofer ist es der Söder, und für den Stoiber sind die Preußen die Großmutter aller CSU-Probleme. Man muss den Stoi­ber einfach mögen dafür, dass er uns zeigt, wie die bayerische Fingerzeigerei geht. Wenn immer andere schuld waren, stirbt man mit reinem Gewissen.

Bis dahin möge noch viel Wasser die Isar hinunterlaufen, vorbei an all denen, die unter den Brücken Münchens leben. Die wissen, dass es in Bayern auch Leute gibt, die nicht allzu viel davon haben, dass das Land so stark ist, wie die CSU es immer redet. Den Opa haben diese Leute nie interessiert. Er hat sich sein Bayern immer so gemalt, wie es ihm gefallen hat. Und wir haben darüber gelacht.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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