Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Der Reichstag blinkt wie ne Disco, der Wulff hat sieben Geißler - und Merkel, oh ja, Erfolg.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch: Deutsche Bank wurde vor Razzia staatlicher Behörden gewarnt.

Und was wird besser in dieser?

Deutsche-Bank-Lobbyisten und -Abgesandte müssen im Gegenzug in Berlin rote Mützen mit Blinklicht tragen. Da sieht der Reichstag aus wie ne Disco.

Wir sind Wulff. Ist es ein gutes Zeichen für eine Demokratie, wenn der Farblosere gewinnt?

Wulff beherrscht das gesprochene politische Wort, diese Minimalsinnsprache, die jede Festlegung scheut und vor allem versucht, niemandem weh zu tun. Ich bin zuversichtlich, dass er der Welt nicht verstottert den Wirtschaftskrieg erklärt wie Köhler, neoliberale Entfesselung predigt wie Goschen-Roman oder halbtot endlich ins Amt havariert wie Rau. Seine Personalpolitik - von der Leyen, Rösler, Özkan, McAllister, Wanka - klang oft wie "Wulff und die sieben Geißler": alle ganz schlimm. Nur: Rot-Grün hat so eine bunte Truppe nie zu Stande gebracht. Schließlich sitzt nun, erstmals seit von Weizsäcker, einer in Bellevue, der sich für einen guten Kanzler hält. Durchmerkeln ist nicht mehr alternativlos.

Gauck ist für den Afghanistan-Krieg und gegen den Fürsorge-Staat. Hätten die Linken ihn trotzdem wählen sollen?

Die SPD wollte, dass die Linken den Moralprediger mitwählen. Jene Linken, die sie in Düsseldorf gerade vom Tisch gewiesen hat. Dabei wäre der Deal nachvollziehbar gewesen: Die Wähler in NRW schaffen eine rot-rot-grüne Mehrheit, dann muss die Linkspartei halt in den sauren Moralisten beißen und dafür gibt es ein gemeinsames Projekt. Tja. Gabriels Strategie hingegen war, im dritten Wahlgang wunderschön zu verlieren; genau das Richtige für Leute, die in der Opposition bleiben wollen. Die SPD hat den Nazi Kiesinger zum Kanzler gemacht zwanzig Jahre danach; doch der Linkspartei kann sie - andere 20 Jahre nach etwas anderem - keine Läuterung zuerkennen. Man muss Gauck keinen Spalter finden, um zu sehen: Wulffs erstes Zauberwort "Integration" ist - auch innerdeutsch gehört - klug gewählt.

Und wie lange macht es Schwarz-Gelb noch?

Nach den Rücktritten von Köhler, Koch, dem Scheitern Rüttgers und der Entschärfung Wulffs - ist Angela Merkel Kanzlerin, CDU-Vorsitzende und ihr Kandidat Bundespräsident. Wenn das ein Misserfolg ist - wie, bitte soll dann ein Erfolg Merkels aussehen? Köhler war Westerwelles Mann und dessen Steuersenkungsreligion war Konzept dieser Regierung: davon ist nichts mehr übrig, von der FDP selber auch nur noch 4 Prozent. Die sind jetzt zahm und wollen nur noch spielen.

Dieser Präsident hat politisch nix zu melden, wer es wird, war vorher klar - und trotzdem haben die Medien, die all das gern schreiben, einen Politthriller draus gemacht. Warum?

Die Personalisierung in Wulff vs. Gauck, Deutsche Meisterschaft im Gesichtheben, dröhnt viel mediengerechter als "Vielleicht doch Rüttgers gegen äh weißnich" oder "Merkel macht eh weiter". Die Zuspitzung auf "Wulff oder die Regierung platzt" hatte viel Schönes - außer Realität. Viele haben gestutzt, dass die Großmacht Springer ein paar Tage unkonform gegauckt hatte. Der Aspekt des Machtkampfes, als der das Ganze inszeniert und berichtet war, scheint viele Menschen eher zu erreichen als die Polemisierung weitgehend ähnlicher Programme. "Deutschland sucht den Superhorst" hat funktioniert. Das kann man schlecht finden - oder draus lernen.

Was macht eigentlich Rot-Grün in NRW?

Staunt, wie Rüttgers nachträglich versucht, die Wahl noch mal zu verlieren. Mit monarchischen Versorgungsansprüchen und Last-Minute-Apanagen für Günstlinge.

Schweinsteiger hat den Argentinier an sich als fieses Charakterschwein beschrieben. Ist das schöne Sommermärchen doch nur Dumpf-Nationalismus?

Na ja, das Spiel war superfair und dieses vorweg genommene Karte-gegen-die-andern-Fordern hatte schon was von allgemeiner Strategie. Antje Vollmer schreibt in "Heißer Frieden", umgekehrt sublimiere und kanalisiere Fußball Emotionen, die früher und ohne Brot und Spiele zu Gewalt eskalierten. Beides möglich, ein gutes Unentschieden also.

Deutschland hat gewonnen - was sagt uns das?

Als ich 06 weichgeklopft war und endlich auch public viewen ging, verloren die Unseren sofort gegen Italien. Also sehe ich alle deutschen Spiele im Büro oder unterm Dach daheim bei gefühlten 135 Grad. Nur noch einmal!!! Und dann! Sperren sie mich vermutlich zu Hause ein und gehen das Finale public viewen.

Und was machen die Borussen?

Kauft Arne Friedrich, der muss sonst in die Zweite Liga! Und will Klose nicht bei Bayern weg?

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben