Aus einer Krippen-Ausstellung in Schwaben wurde ein Exponat auf Druck der katholischen Piusbruderschaft entfernt. Es zeigt die Heilige Familie mit Schweineköpfen.von INGO ARZT

Kuratorin Schmehle-Knöpfler: "Wir sind kurz vor der Zensur missliebiger Kunst" Bild: kloster schussenried
STUTTGART taz | Eigentlich wollten Hansi Schmehle-Knöpfler und ihr Ehemann eine Sauerei zum Ausdruck bringen: dass christliche Aussagen zu einer Marktstrategie missbraucht werden. Seit drei Jahren stellen die beiden im Kloster des oberschwäbischen Bad Schussenried ihre Sammlung von Krippen aus aller Welt aus.
In diesem Jahr sind es 250 Werke, darunter auch sozialkritische Darstellungen. Doch ein Stück wurde zum Stein des Anstoßes: Maria, Josef, das Jesuskind und ein Engelchen mit Schweineköpfen. Diese Woche musste das Exponat nach einem Proteststurm erzkonservativer Katholiken entfernt werden.
Die "Schweinekrippe" einer Münchner Künstlerin sollte die Pharmaindustrie kritisieren: Die überhöhe die Impfung gegen die Schweinegrippe zur Erlösung, zum Heilsversprechen wider die Apokalypse. Doch der heilige Zorn brach über die Aussteller und die Sammlerin herein. Die Piusbruderschaft bekam Wind von der tierischen Darstellung ihres Religionsgründers und rief zum Protest auf.
Die erzkonservative Bruderschaft machte in der jüngsten Vergangenheit viel von sich reden: Die Rücknahme der Exkommunikation aus dem Schoß der Kirche durch Papst Benedikt XVI. jährt sich, obwohl einer ihrer vier Bischöfe den Holocaust geleugnet hat.
Die schwäbischen Brüder stellten Protestaufrufe samt Telefonnummern und Mailadressen der Sammlerin und der Museumsleitung ins Netz. Ähnliche Aktionen gab es bereits gegen einen gekreuzigten Frosch im Haus der Kunst in München oder eine Papstpuppe mit über dem Kopf drapierten Kondomen.
In der Schweinekopf-Causa protestierte der Bürgermeister des benachbarten Ertingen ebenso mit wie der Pfarrer der katholischen Gemeinde Sankt Magnus. Schließlich kamen Droh- und Hassmails. "Das traf mich in meiner Würde", sagt die Sammlerin Schmehle-Knöpfler.
Nach Rücksprache mit der Polizei musste das Exponat entfernt werden. "Wir haben versucht, das Ideal der Kunstfreiheit zu schützen. Allerdings konnten wir die Sammler und die Ausstellung in Oberschwaben nicht schützen, es gab ein Sicherheitsrisiko", sagt der Sprecher der zuständigen Staatlichen Schlösser und Gärten in Stuttgart. Auch ein Kompromiss, das Kunstwerk zu verhüllen und mit einem Guckloch zu versehen, wollten die Priester nicht akzeptieren. Das sei "Verdummbeutelung".
Pater Andreas Steiner, Pressesprecher der Piusbrüder, beruft sich auf die Freiheit der Meinung und den Schutz der Religion: "Für Katholiken gibt es Symbole, die sind heilig. Dazu gehört die Menschwerdung Gottes. Das als Schwein darzustellen, das geht nicht. Da hat die Freiheit der Kunst ihre Grenzen", sagt er. Für die Hassmails sei man nicht verantwortlich.
Beim Christopher Street Day in Stuttgart sind die Brüder auch zugegen und beten am Straßenrand wider die Sünde vor ihren Augen. Danach kämen ebenfalls Hassmails, sagt Steiner, wofür die Veranstalter auch nicht verantwortlich seien.
Schmehle-Knöpfler will auch nächstes Jahr wieder Krippen ausstellen. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass heute noch in ein so wichtiges Grundrecht wie die Kunstfreiheit eingegriffen wird. Wir sind kurz vor der Zensur missliebiger Kunst", sagt sie. Normalerweise setzt sie sich für religiösen und interkulturellen Austausch ein, 2008 lud sie die Imame der Region in die Krippenausstellung ein. Das wird sie fortführen.
Ebenso, wie die Piusbrüder ihren Kampf wohl nicht aufgeben. Was die davon halten, dass die taz im vergangenen Jahr zu Ostern einen gekreuzigten Jürgen Klinsmann auf ihrer Titelseite abbildete? "Das ist absolut inakzeptabel", sagt Pater Andreas Steiner.
Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert, Armut ist verbreitet. Albin Kurti, kosovo-albanischer Oppositionspolitiker, geht nach vier Jahren Unabhängigkeit mit dem Kosovo hart ins Gericht.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.

77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
28.01.2010 01:26 | Siegfried Paul Posch
@ von Fathi, "26.01.2010 16:11 UHR" ...
26.01.2010 16:11 | Fathi
Ey past mal auf ihr beleidigt alle Muslime auch unseren Propeten Jesus so zu zeigen ist Beleidigung. ...
26.01.2010 13:24 | Rainer
@ Siegfried Paul Posch, 26.01.2010, 02:53 Uhr: ...