Netzwerk, Riesenspeicher, Gesichtserkennung - die DDR-Geheimpolizei hätte Facebook toll gefunden, sagt Stasi-Aktenverwalter Roland Jahn.von Georg Löwisch

Roland Jahn wurde selbst von der Stasi überwacht. Bild: dapd
BERLIN taz | Was wäre gewesen, wenn der Stasi Facebook-Technik zur Verfügung gestanden hätte? "Sie hätte sie brutal genutzt", sagt Roland Jahn, Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde, im sonntaz-Interview. Aber: Die Opposition hätte seiner Ansicht nach mehr aus den Netzwerken machen können. "Facebook hätte den Untergang der DDR beschleunigt. Wir hätten uns vernetzt und die freien Informationswege genutzt."
Jahn wurde in der DDR von der Staatssicherheit überwacht, drangsaliert und inhaftiert. Später schob ihn die Geheimpolizei der SED gewaltsam in den Westen ab. Er schleuste von dort Videokameras in den Osten, die Filme brachte er im Westfernsehen unter, das die meisten DDR-Bürger empfangen konnten. Vergleichares geschehe heute etwa in arabischen Ländern effektiver übers Netz.
Jahn wandte sich dagegen, Facebook mit der Staatssicherheit der DDR gleichzusetzen. Dies verharmlose den SED-Staat. "Aber die Erfahrung mit der Stasi muss uns sensibel machen für die Gefahr von Datenmissbrauch."

Das Interview mit Roland Jahn lesen Sie in der aktuellen sonntaz vom 10./11. Dezember 2011. Außerdem: Ein sonntaz-Gespräch mit dem Kabarettisten Serdar Somuncu, der aus Hitlers "Mein Kampf" las. Am Kiosk, eKiosk oder im Wochenendabo. Und für Fans und Freunde: facebook.com/sonntaz
Foto: tazEr verlangt nun neue Regeln gegen den Missbrauch von Daten in sozialen Netzwerken. "Die Gefahr bei Facebook ist, dass Menschen benutzt werden für Dinge, über die sie nicht Bescheid wissen", sagt Jahn. Es gehe nicht, dass Daten gespeichert blieben, obwohl der Nutzer meint, sie gelöscht zu haben.
Daten dürften auch nicht einfach weitergegeben werden. "Wenn etwa Profile über mein Verhalten erstellt werden, will ich das vorher wissen", sagt der Behördenchef. "Das findet nicht ausreichend statt. Da müssen Sicherungssysteme eingebaut werden."
In der sonntaz spricht Jahn außerdem darüber, was soziale Netzwerke mit Haustürgeschäften zu tun haben, wie er bei Schulveranstaltungen von der Stasi auf den Bundestrojaner gebracht wird und warum wir das Löschen wieder lernen müssen - das ausführliche Interview in der aktuellen sonntaz - am Kiosk, am eKiosk oder im Wochenendabo. Und auf facebook.com/sonntaz
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Leserkommentare
05.03.2012 16:21 | Schmidt
Netzwerke betreffend: In Diktaturen heute hat der „Normalbürger“ kaum Zugang. Twitter und Facebook sind blockiert und viele ...
04.03.2012 19:21 | Schmidt
Zur Aufarbeitung von Stasiunterlagen ist Wissen notwendig! ...
04.03.2012 11:59 | Thomas Schmidt
Zur Aufarbeitung von Stasiunterlagen ist Wissen notwendig! ...