Reaktion auf Artikel in FAZ und in B.Z.

Leichte Sprache braucht Kritik

Zur Bundestags-Wahl erscheinen viele Texte in Leichter Sprache. Das führt oft zu unangemessener Kritik. Eine Reaktion darauf in Leichter Sprache.

Viele Buchstaben, Zahlen und Zeichen einer Tastatur liegen durcheinander gewürfelt auf einer blauen Unterlage

Puh … Foto: imago/Steinach

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Ein Kommentar ist ein kritischer Text

mit einer persönlichen Meinung.

Zur Bundestags-Wahl gibt es viele Texte in Leichter Sprache.

Es gibt mehr Texte in Leichter Sprache als in den Jahren davor.

Ein Grund dafür ist:

Einige Menschen haben Schwierigkeiten

beim Lesen und Schreiben.

Sie werden Menschen mit Lern­schwierigkeiten genannt.

Sie sollen sich zur Bundestags-Wahl ­besser informieren können.

Einige Menschen mit Lernschwierig­keiten informieren sich

in Leichter ­Sprache über die Ziele von Parteien.

Wer schreibt über die Bundestags-Wahl in Leichter Sprache?

• Einige Behörden schreiben Wahl-­Anleitungen.

• Einige Zeitungen schreiben Politik-Nachrichten.

• Viele Parteien schreiben Wahl-­Programme.

Was ist Leichte Sprache überhaupt?

Viele Menschen in Deutschland kennen

Leichte Sprache nicht.

Für viele Menschen sind die Texte eine Überraschung.

Sie fragen sich:

• Was ist Leichte Sprache?

• Wozu sind die kurzen Sätze da?

• Warum fehlen die Fremdwörter?

• Wieso gibt es so viele Binde-Striche?

Oft kommen diese Fragen von ­Journalisten.

Journalisten spricht man so aus: ­Dschur-na-lis-ten.

Sie arbeiten für Medien.

Sie schreiben zum Beispiel für diese ­Zeitungen:

• die Frankfurter Allgemeine Zeitung, kurz: FAZ

• die Berliner Tages-Zeitung B.Z.

2 Journalisten von der FAZ und von der B.Z.

kritisieren Leichte Sprache.

Der Journalist von der FAZ heißt Adrian Lobe.

Der Journalist von der B.Z. heißt Gunnar Schupelius.

Was kritisiert der FAZ-Journalist?

Das kritisiert der FAZ-Journalist Adrian Lobe zum Beispiel:

Bei Nachrichten in Leichter Sprache ­fehlen viele Informationen.

Adrian Lobe hat Recht.

Manchmal fehlen Informationen bei Texten in Leichter Sprache.

Natürlich sollen die wichtigsten ­Informationen vorkommen.

Natürlich sollen so viele Informationen wie möglich vorkommen.

Wichtiger ist aber die Frage:

Warum fehlen die Informationen?

Ein Grund ist:

Jeder Mensch mit einer Lernschwierigkeit liest und versteht anders.

Für einige Menschen mit Lern­schwierig­keiten

ist sogar Leichte Sprache zu schwer.

Aber auch diese Menschen sollen sich informieren können.

Deshalb sind wenige Informationen

­besser als überhaupt keine Informa­tionen.

Und diese Informationen werden dafür

mit Beispielen ausführlich erklärt.

Das ist der Versuch,

möglichst viele Menschen mit Leichter Sprache zu erreichen.

Wichtig ist:

Leichte Sprache hat eigene Regeln.

Und sie hat eine eigene Zielgruppe.

Das sollte der FAZ-Journalist Adrian Lobe beachten,

wenn er Leichte Sprache kritisiert.

Was kritisiert der B.Z.-Journalist?

Das kritisiert der B.Z.-Journalist Gunnar Schupelius:

Leichte Sprache ist schlechtes Deutsch.

Leichte Sprache hat eine falsche ­Grammatik.

Sie hat einen falschen Satz-Bau.

Gunnar Schupelius hat sich das Wahl-Programm

von den Parteien CDU und CSU angeguckt.

Das Wahl-Programm gibt es hier.

Darin steht zum Beispiel dieser Satz über das Thema Lohn:

„Wenn die Leute mehr Lohn kriegen,

sollen nicht auch die Preise steigen.“

Gunnar Schupelius hat Recht.

Das hier ist schlechte Leichte Sprache.

Denn der Satz ist unverständlich.

Aber das bedeutet nicht,

dass Leichte Sprache immer schlecht ist!

Dieser Satz zeigt nur,

dass diese Übersetzung schlecht ist.

In Deutschland gibt es viele Über­setzungs-Büros

für Leichte Sprache.

Jedes Übersetzungs-Büro übersetzt ­anders.

Nicht jede Übersetzung ist gut.

Hinzu kommt:

Der B.Z.-Journalist Gunnar Schupelius

hat das falsche Wahl-Programm gelesen.

Er hat das Wahl-Programm von 2013 ­gelesen.

Das aktuelle Wahl-Programm von 2017 ist besser übersetzt.

Das aktuelle Wahl-Programm von CDU und CSU gibt es hier.

Dieses Wahl-Programm wurde von ­einem anderen

Übersetzungs-Büro in Leichte Sprache übersetzt.

Kritik ist wichtig für Leichte Sprache

In Schweden gibt es Leichte Sprache

schon seit einer langen Zeit:

Schon seit den 1960er-Jahren.

In Deutschland gibt es Leichte Sprache

erst seit ungefähr 15 Jahren.

Seit 2009 gibt es das Regel-Werk

für Leichte Sprache vom „Netzwerk Leichte Sprache“.

Leichte Sprache entwickelt sich immer weiter.

Es gibt immer wieder neue Regeln für Leichte Sprache.

Noch ist nicht alles perfekt.

Deshalb ist Kritik gut.

Denn Kritik führt dazu,

dass mehr Menschen über Leichte ­Sprache reden.

Josef Ströbl von „Mensch zuerst“

kennt sich gut mit Leichter Sprache aus

und hat selbst eine Lernschwierigkeit.

Er sagt:

„Zu behaupten,

Leichte Sprache ist dumm,

hilft keinem weiter.“

Journalisten sollten sich infor­mieren,

bevor sie Leichte Sprache kritisieren.

Zum Beispiel über diese Fragen:

• Wer ist die Zielgruppe von Leichter Sprache?

• Was ist die Aufgabe von Leichter ­Sprache?

• Welche Geschichte hat Leichte ­Sprache?

Sonst können Journalisten Leichte ­Sprache nicht richtig bewerten.

Denn eines ist sicher:

Journalisten sind nicht die Zielgruppe.

Original-Text: Christine Stöckel

Übersetzung: Christine Stöckel

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