Prozess zu „Silk Road“ beginnt

„Dread Pirate“ fühlt sich unschuldig

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher des Onlinemarktplatzes „Silk Road“ hat begonnen. Er selbst sagt, er habe die Seite nur kreiert und dann abgegeben.

Sagt, er habe nur „ökonomisch experimentiert“: der Angeklagte Ross Ulbricht im Gerichtssaal. Bild: ap

NEW YORK afp/taz | Der mutmaßliche Drahtzieher des illegalen Online-Handelsplatzes „Silk Road“ muss sich seit Dienstag vor einem US-Bundesgericht in New York verantworten. Der Prozess gegen den 30-jährigen Ross William Ulbricht, der unter dem Pseudonym „Dread Pirate Roberts“ den Drogenumschlagplatz im Internet betrieben haben soll, begann mit der Auswahl der Geschworenen.

„In diesem Prozess geht es um einen dunklen und geheimen Teil des Internets, der ein riesiger Marktplatz für illegale Drogen war“, sagte Staatsanwalt Timothy T. Howard in seinem Eröffnungsstatement. Dem Angeklagten werden unter anderem Drogenhandel, Geldwäsche und Verschwörung zum Computer-Hacking vorgeworfen.

Ulbricht plädierte auf nicht schuldig. Sein Verteidiger Joshua Dratel sagte: „Ross ist kein Drogendealer. Ross ist kein Drahtzieher. Ross ist nicht Teil einer Verschwörung“. Dratel zufolge baute Ulbricht „Silk Road“ als „ökonomisches Experiment auf“, gab die Seite aber an andere, weil sie ihm „zu stressig“ war. Am Ende hätten seine Nachfolgern Ulbricht zurückgelockt, um ihm die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Die Bundespolizei FBI und die Drogenbehörde DEA hatten mehr als zweieinhalb Jahre nach „Dread Pirate Roberts“ gesucht. Die Ermittlungen waren knifflig, weil „Silk Road“ über die verschlüsselten Internetverbindungen des TOR-Netzwerks lief. Die Transaktionen wurden anonym über die Digitalwährung Bitcoin abgewickelt. Die US-Justiz beschlagnahmte bei den Ermittlungen gegen „Silk Road“ nach eigenen Angaben Bitcoins im Wert von mehr als 150 Millionen Dollar (126 Millionen Euro).

Die Seite, eine Art Ebay für illegale Güter, hatte hunderttausende Nutzer rund um die Welt. Neben Rauschgift konnten Internetnutzer auf „Silk Road“ auch Waffen und gefälschte Ausweise kaufen sowie Auftragsmörder anheuern. Im November schlossen die Behörden eine neue Version Silk Road, gegen vier Verdächtige läuft ein Strafverfahren. Eine neueste Version der Seite läuft derzeit offenbar auf dem ebenfalls verschlüsselten i2p-Netzwerk.

Ein Urteil wird in vier bis sechs Wochen erwartet. Bei einer Verurteilung droht Ulbricht im schlimmsten Fall lebenslange Haft.

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