Der schleswig-holsteinische CDU-Vorstand gibt sein Okay zur Kandidatur von Reimer Böge als Landeschef. Der will die Partei thematisch breiter aufstellen und von einer internen Krise nichts wissen.von Daniel Kummetz

Musste überredet werden: Reimer Böge. Bild: dpa
HAMBURG taz | Sie witzeln etwas und lachen, gehen ein paar Schritte Arm in Arm. Frederik Heinz und Katja Rathje-Hoffmann kommen aus einem kleinen Sitzungsmarathon: An diesem Donnerstag Abend tagen hier, im aus der Zeit gefallen wirkenden Kieler Hotel Maritim die Vorstandsgremien der CDU-Schleswig-Holstein. Zwischen dunklem Holz und unter massiven Leuchter-Konstruktionen beraten sie darüber, wer neuer Landesvorsitzender wird. Ergebnis: Der Europa-Parlamentarier Reimer Böge macht’s.
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Rathje-Hoffmann ist Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Frauen Union, Heinz ist Chef der Jungen Union (JU). Beider Ziel: die Pressekonferenz im Flur, zusammen mit dem frisch Gekürten. Die Frauen und die Jungen, das sind die Problemgruppen der CDU: Sie wählen zu selten CDU, engagieren sich zu wenig, bekommen kaum aussichtsreiche Posten. Jetzt stehen die Frauen-Funktionärin und der Nachwuchs-Chef mit vor der blauen CDU-Wand für die Fernsehbilder. Immerhin sind Rathje-Hoffmann und Heinz ja Vize-Landesvorsitzende.
Aber zuerst redet Böge, Diplom-Agraringenieur wie Ex-Landesvater Peter Harry Carstensen, mit eigenem Hof in Hasenmoor bei Bad Bramstedt. Der 61-jährige verkündet, dass er antrete als Vorsitzender beim Landesparteitag im März, obwohl er eigentlich nicht gewollt habe, man ihn habe bitten müssen. Und, ach ja: Eine Krise habe es bei der schleswig-holsteinischen CDU nicht gegeben, lediglich eine „schwierige Zwischenphase“. Die sei jetzt aber vorbei.
Böge sagt auch, dass es jetzt auch einen Landesfachausschuss für Arbeitnehmerfragen geben solle, er auf Nachhaltigkeit als Thema setze. Und auch das Thema Integration will er als mit seiner CDU angehen, die bei solchen Themen bisher kaum mit besonders engagiert war. Dass Frauen und Junge gestärkt werden sollen in der Partei, sagt Böge auch noch.
Dann spricht der Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing, auch so ein Vize-Chef, dessen Name fiel, als ein Nachfolger für den zurückgetretenen Jost de Jager gefunden werden sollte. Er verspricht die Unterstützung des Landesvorstands. Liebing hat nie offiziell gesagt, dass er kandidieren würde, dennoch bekam er schon Rückhalt von einem ersten Kreisverband.
Rathje-Hoffmann und Heinz sagen: nichts. Sie stehen dabei und versuchen, den Pressevertretern ein möglichst nettes Gesicht zur Schau zu stellen, was Rathje-Hoffmann besser gelingt als Heinz. Er hatte sich mit seiner JU für einen Mitgliederentscheid ausgesprochen, dafür gab es im Rest der CDU-Führungsmannschaft auch die Bereitschaft – theoretisch, wenn es denn zwei Kandidaten gäbe. Doch die gab es nicht, offenbar hat auch Heinz niemand weiteres ins Spiel bringen können.
Die jetzt gefundene Lösung ist wohl eine für den Übergang, so sehr Böge selbst diese Formulierung wohl zurückweisen würde. Beim Landesparteitag im März wird für zwei Jahre der Landesvorsitzende gewählt, bis dahin stellt er sich auf mehreren Regionalkonferenzen vor.
Dass er Spitzenkandidat für 2017 wird, ist eher unwahrscheinlich angesichts der Prioritäten, die Böge setzt: Er „denke nicht in Jahrzehnten“, sagt er, wolle weiter Europapolitik machen, sich von der CDU wieder aufstellen lassen. In Sitzungswochen gehe seine Funktion als Parlamentarier vor. Dann sollten die Vize-Vorsitzenden das Geschäft vor Ort führen. Solche wie Rathje-Hoffmann und Heinz.
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