Konkurrenz ist kontraproduktiv

Schwächender Konflikt

Die konkurrienden Hafenarbeiter-Gewerkschaften müssen aufpassen, dass es nicht zur Spaltung der Belegschaftschaften kommt.

Dass es in den großen Häfen oft sozialpartnerschaftlich zwischen den Betriebsräten, Gewerkschaften und Bossen der Container-Umschlagsbetriebe zugeht, ist nichts Neues. Und dass die Hafenarbeiter über Kungeleien ihrer Gewerkschaftsfunktionäre sauer sind und nach etwas anderes streben, ist allzu verständlich.

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Doch aber eines muss dabei bewusst sein: Spaltungen der Belegschaften durch konkurrierende Interessenvertretungen sind immer kontraproduktiv. Und das gilt für beide Kontrahenten. Wenn die Gewerkschaft Ver.di meint, durch Ignoranz, Demagogie und mit Gewerkschaftsausschlüssen den Zulauf zum Konkurrenten Contterm stoppen zu können, ist das genauso verkehrt, wie wenn Contterm durch den Beitritt in den Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) versucht, eine Aufwertung als Gewerkschaft zu erfahren. Die arbeitgeber-hörigen gelben Gewerkschaften sind die falschen Bündnispartner.

Es mag sein, dass die Contterm-Aktivisten momentan konsequenter sind und mehr Power haben als die Ver.di-Funktionäre. Doch das darf nicht zur grundlegenden Spaltung der Belegschaften führen. Und wer sich mit der Standesvereinigung Cockpit vergleicht, verkennt die Realität. Ohne Pilot fliegt ein Flugzeug nicht, aber verkrachte und geschwächte Belegschaften können nichts mehr erreichen – auch keine Tarifverträge, die sich manchmal nur durch Streik durchsetzen lassen.

 
26. 02. 2013

Jahrgang 1956, Seit 1983 bei der taz – zuerst bei der taz.hamburg und jetzt bei der taz.nord in Hamburg. Ressorts: Polizei, Justiz, Betrieb und Gewerkschaft. Schwerpunkte: Repression, progressive Bewegungen und Widerstand gegen Gentrifizierung

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