Nach dem Absturz eines Betonstücks lässt die Bahn derzeit die ganze Decke überprüfen. Das wird noch bis mindestens Januar dauern. von Jörn Wegner

Hier kam der Klotz runter: Sicherheitsgerüste im Bahnhof Friedrichstraße. Bild: dapd
Der Absturz eines Betonbrockens aus der Decke im Bahnhof Friedrichstraße war kein unglücklicher Zufall, sondern erste Folge grundlegender Mängel am Gebäude. Bei der Sanierung des Bahnhofs in den 90er Jahren sei an den damals schon über 70 Jahre alten Stahlträgern der Gleiströge Beton verbaut worden, wie die Bahn mitteilte. Das habe der Konstruktion die Flexibilität genommen, die für den Ausgleich von Temperaturschwankungen oder Erschütterungen notwendig sei.
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Unter Gleis 4 hatte sich am 13. Dezember ein 20 Kilogramm schwerer Betonbrocken gelöst und war durch die Deckenverkleidung in die Einkaufspassage gestürzt. Verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand.
Wie es zu den Mängeln kommen und warum der Bahnhof damit überhaupt abgenommen konnte, könne sich auch die Bahn nicht erklären, sagte ihr Sprecher Holger Auferkamp. Das werde gegenwärtig untersucht. Gerüchte über verrostete Stahlträger in der Bahnhofskonstruktion wies er zurück. "Ich vertraue hier unseren Gutachtern", so der Bahnsprecher.
Diese Gutachter überprüfen derzeit den baulichen Zustand der Deckenkonstruktion. Dafür ist die Bahnhofshalle großflächig mit Gerüsten verstellt, von denen aus die Verkleidung geöffnet und die dahinter liegende Decke untersucht wird. Zudem dienen die Gerüste als Schutz vor weiteren Deckenabstürzen, die die Bahn nicht ausschließen kann. Auch die Geschäfte im Bahnhof sollen mit Gerüsten gesichert werden, wer dies nicht wolle, müsse aus Sicherheitsgründen seinen Laden schließen, teilte die Bahn mit. Die Überprüfung werde noch bis in den Januar andauern, so der Sprecher.
Für eine Sperrung des Bahnhofs sieht ihr Sprecher allerdings keinen Grund, die Fahrgäste müssten auch nicht mit besonders vielen Verspätungen rechnen. Auferkamp konnte auch ausschließen, dass ein ähnlicher Mangel an einem anderen Berliner Bahnhof auftreten werde. Der Bahnhof Friedrichstraße sei eine einzigartige Konstruktion, eine Art ummauerte Brücke. Diese entstand während des Umbaus in den 20er Jahren, während die anderen Bahnhöfe an der Stadtbahnstrecke auf gemauerten Bögen errichtet sind.
Bisher durften Zugführer nach dem Absturz nur mit maximal Tempo 20 in den Bahnhof einfahren. Ab dem Wochenende gelte aber wieder normales Tempo, so Auferkamp.
Obwohl auch weiterhin jederzeit kiloschwere Brocken von der Decke stürzen könnten, herrscht im Bahnhof mittlerweile wieder erstaunliche Normalität. Seit anfangs umgeleitete Bahnlinien wieder planmäßig verkehren, fehlt auch der Anblick genervt wartender Menschenmengen. Die zwei Regionalbahnsteige wirken vielmehr ungewohnt unbelebt. Züge haben, wenn überhaupt, Verspätungen von fünf bis zehn Minuten. Bauarbeiter stellen sogar ihre Leitern direkt vor die Zugänge zu den Rolltreppen. Auch die Flatterband-Absperrungen in der Bahnhofshalle scheinen niemanden zu interessieren, genauso wenig wie die raumnehmenden Gerüste. Zur Entspannung trägt vielleicht auch bei, dass die Bahnhofshalle zum ersten Mal seit Jahren nicht mit Weihnachtsmarktbuden verstellt ist.
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Leserkommentare
22.12.2012 19:18 | Wüstenratte
Teile fallen am Hauptbahnhof ab, am Bahnhof Friedrichstraße bröckelt die Decke, da sollte man doch aus Sicherheitsgründen d ...