Mahnmalentscheid vertagt

Erinnerung an NS-Geschäfte Die Kulturdeputation peilt für das „Arisierungs“-Mahnmal eine Sondersitzung an, um den Beirat nicht zu übergehen

Weitere Entscheidungen zum Bremer „Arisierungs“-Mahnmal sollen auf einer Sondersitzung der Kulturdeputation im April getroffen werden. Mit diesem Hinweis begründete Deputationssprecherin Miriam Strunge (Die Linke) gestern die Aussetzung des ursprünglich vorgesehenen Tagesordnungspunktes. Erst dann läge das Votum des ebenfalls zuständigen Beirats Mitte über einen Standort vor. Hintergrund ist zudem, dass es in der rot-grünen Koalition noch keine Einigung auf einen Standort des Erinnerungsorts für die Beraubung der jüdischen Bevölkerung gibt.

Die Bürgerschaft hatte den Senat bereits im November beauftragt, „in den hierfür zuständigen Gremien Beschlüsse zur Errichtung eines ,Arisierungs'-Mahnmal anzuregen und bei diesen Entscheidungsprozessen insbesondere auch einen Standort im Umfeld des Neubaus der Firma Kühne+Nagel einzubeziehen“. Dennoch war der Beirat bislang nicht befasst worden. Nun will er eigeninitiativ werden und hat mit der Mehrheit aus Grünen und Linkspartei bereits angekündigt, sich dann für einen Mahnmalstandort direkt bei Kühne+Nagel auszusprechen.

Als „nicht zustimmungsfähig“ bezeichnete daher die grüne Abgeordnete Kirsten Kappert-Gonther die nun zurückgezogene Beschlussvorlage des Kulturressorts. Die verortet den Entwurf von Angie Oettingshausen, der aus einem Ideenwettbewerb der taz hervorging, auf Höhe der Jugendherberge im Stephaniviertel.

Mit dem Jugendherbergsvorschlag betritt das Kulturressort erstmals historisches Revier, nachdem die Stadt zunächst einen Standort an einer Waller Schule favorisiert hatte: In Stephani waren seinerzeit etliche Speditionen ansässig – die meisten allerdings weiter weseraufwärts auf Höhe der Martinistraße. Wie etwa Kühne+Nagel, die mit immensem Abstand das größte Geschäft mit jüdischem Raubgut machten. Henning Bleyl