das ding, das kommt

Im Charakterzug an die Weltspitze

Der DT5-Zug der Hamburger Hochbahn – gerade wurde der 100. geliefert – wird immer wieder mit der New Yorker U-Bahn verglichen. Weil man an der Elbe doch so gern eine Weltstadt wäre Foto: Angelika Warmuth/dpa

Ob New York hier wirklich als Vorbild taugt? In Sachen U-Bahn nämlich hört man aus der US-Metropole derzeit vor allem von einer tiefen Krise, die sich über Jahrzehnte, genau: „angebahnt“ hat. Schlicht vergammeln und sonstwie verkommen lassen hat man da eines der ältesten U-Bahn-Systeme der Welt, weil niemand Geld hat reinstecken wollen in dessen Erhaltung. Und diese so urban-romantisch rumpelnd und quietschend über die Gleise ziehenden alten Züge, die man aus Film und Fernsehen so gut kennt: Die liegen längst auf dem Meeresboden, die ganze Ostküste entlang. In mehr als 2.500 ausgemusterten und entkernten Wagen der New Yorker U-Bahn finden heute Fische eine neue Heimstatt, denn seit 17 Jahren wird der an Land nur teuer zu entsorgende, weil auch asbestbelastete Stahlschrott in den Fluten versenkt. Eine Win-Win-Situation immerhin: Die Biomasse ist dort, wo die Baureihen R26 bis R36 liegen, um das 400-fache gestiegen.

Weshalb also seit der Einführung der „Super-U-Bahn“ (Bild) der Hamburger Hochbahn vor sieben Jahren – just ist der 100. Zug geliefert worden – immer wieder die Worte „New York“ fallen: Mit der Technik hat es nicht so viel zu tun, auch wenn dieser sich (sicher nicht zufällig) „sbahnfan“ nennende User von Eisenbahnforum.de anmerkt, dass die Welt draußen durch die „fast wie bei einem Gangsterauto“ dunkel getönten Fensterscheiben „richtig düster“ aussieht, also so richtig Gotham-City- und also so richtig New-York-mäßig.

Viel wichtiger aber scheint zu sein, was User „bayerhascherl“ auf dem Zug-Fan-Forum anmerkt: „Der DT5 ist ein richtiger ‚Charakterzug‘.“ Auch die Presseeinladung zum Fototermin mit dem 100. DT5-Zug betont: „Er hat das Vorgängermodell nicht nur beim Fahrgast als komfortable Mobilitätslösung, sondern sogar als Blickfang im Hamburger Tatort abgelöst, wenn er auf der U3 entlang des Hafenrands fährt.“

Im Bezug auf die legendäre New Yorker U-Bahn klingt also doch wieder nur der Minderwertigkeitskomplex dieser kleinen Stadt mit Welthafen an: die Sehnsucht, zu den Metropolen der Welt gehören zu dürfen – nein: deren Zugspitze zu sein. Als die New York Times vor zwei Jahren twitterte, dass die US-Metropole bereits 2020 „open subway cars“ bekomme, sah sich der Twitter-Account der Hamburger Hochbahn prompt zum Kommentar gezwungen: „Naaanananana! In Hamburg gibt’s die schon lange! We love DT5!“ Robert Matthies